Bisher blieb der Öffentlikeit verborgen, doch nun bestätigt die Bundesanwaltschaft ein «Verfahren gegen je zwei Beschuldigten wegen aktiver und passiver Bestechung», schreibt der «Tages-Anzeiger». Gegen zwei Gazprom-Kaderleute sowie zwei weitere Beschuldigte ermitteln die Schweizer Bundesbeamten. Obwohl die Ermittlungen durch fehlende oder zögerliche Unterstützung von Russland erschwert wurden, soll es noch dieses Jahr zu einer Anklage kommen, schreibt die Zeitung.

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ABB, Alstom, Siemens

Im Zentrum der Ermittlungen steht ein Geschäft mit der heutigen Siemens Industrial Turbomachinery (SIT) mit Sitz in Schweden. Unter anderem Namen gehörte sie früher zum schweizerisch-schwedischen ABB-Konzern. Dann ging die Firma an Alstom über, danach an Siemens - das Schmiergeldsystem überdauerte die Firmenwechsel.

Die Ermittlungen drehen sich um den Bau der Yamal-Pipeline von der sibirischen Halbinsel Yamal durch Russland über Weissrussland und Polen bis nach Deutschland. Die Beschuldigten sollen über die Scheinfirma Burlingame Consulting auf Zypern für das Projekt Turbinen für Kompressorstationen geliefert und dabei bis zu drei Prozent Bestechungsgelder eingesackt haben. Im strafrechtlich relevanten Zeitraum zwischen 2004 und 2006 sollen dabei für die Täter immerhin vier Millionen Dollar zusammengekommen sein.

Juristische Trickserei

Die Beschuldigten benutzen jeden erdenklichen juristischen Kniff, um die Bundesanwaltschaft auszubremsen, wiederholt musste das Bundessgtrafgericht über Einwände der Anwälte befinden, immer fielen die Anwälte bei den Richtern durch.

Ein hochdekorierter «Veteran der Gasindustrie» sowie ein weiterer hochrangiger Manager von Gazprom wehren sich mit allen Mitteln gegen die Untersuchung. So kam es erst kürzlich zu einem Eklat, als ein Beschuldigter gleich den russischen Konsul in der Schweiz zu einer Einvernahme mitbringen wollte. Ihm wurde die Tür gewiesen, weil dies in der schweizerischen Strafprozessordnung nicht vorgesehen ist. Der Konsul zog ab - unter Protest.

(lur/chb)