In der Schweiz steht der grösste Börsengang seit sieben Jahren an. Der US-Mischkonzern General Electric will die Banktochter GE Money Bank Ende des Monats an die Zürcher Börse bringen und damit bis zu 1,05 Milliarden Franken einnehmen. Das wäre die erste Aktien-Neuemission in der Schweiz seit einem Jahr - auch an anderen europäischen Märkten wagten zuletzt wieder einige Firmen den Schritt aufs Parkett.

In trockenen Tüchern ist der Börsengang aber noch nicht. Der US-Haushaltsstreit könnte GE einen Strich durch die Rechnung machen, da der Konflikt die Stimmung an den Märkten belastet. Dass die Anleger weiter wählerisch sind und genau hinschauen, zeigte zudem der in der Vorwoche geplatzte Börsengang der Schweizer Ledermann Immobilien.

Banken wollten nicht

Bereits im Vorjahr hatte GE das Schweizer Finanzgeschäft, das Kleinkredite, Fahrzeug-Finanzierungen, Leasing und Kreditkarten umfasst, zum Verkauf gestellt. Eine Gruppe von Banken, die lange Interesse gezeigt hatte, konnte sich nicht zu einem Kauf durchringen, GE schwenkte auf einen Börsengang um. Auch nach der Erstnotiz will GE noch rund ein Drittel halten. Zudem hat der Konzern zugesagt, ein Jahr lang keine weiteren Aktien zu verkaufen. Insidern zufolge will sich das Unternehmen danach auch vom Rest trennen.

Bis zum 29. Oktober bietet der Industriegigant Aktien der Tochter, die künftig Cembra Money Bank heissen soll, zu 43 bis 51 Franken an. Erster Handelstag der Aktien mit dem Ticker-Symbol «CMBN» soll der 30. Oktober sein. Der Börsengang wird federführend von Credit Suisse und der Bank Vontobel organisiert. Dabei sind auch die Bank of America Merrill Lynch und die Deutsche Bank. Der letzte Börsengang mit einem grösseren Volumen in der Schweiz war der Raffineriebetreiber Petroplus im Jahr 2006.

GE, der weltgrösste Hersteller von Flugzeug-Motoren und Elektro-Turbinen, will sich stärker auf sein angestammtes Industriegeschäft konzentrieren. Konzernchef Jeff Immelt ist seit längerem dabei, das Finanzgeschäft des Konzerns abzuspecken. Zu Beginn der Finanzkrise hatte GE bereits das Konsumkreditgeschäft in Deutschland und Österreich an die spanische Bank Santander verkauft. Ende August hatte die Nachrichtenagentur Reuters von Insidern erfahren, dass GE auch das Konsumfinanzgeschäft in den USA veräussern will.

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Das perfekte Börsenfenster?

GE Money Bank hat Kredite über netto vier Milliarden Franken ausstehen und kam im vergangenen Jahr auf einen Gewinn von 133 Millionen Franken. Das Geschäft gilt als vergleichsweise resistent gegenüber Finanzkrisen, da die Kreditausfallraten niedrig und die Ergebnisse stabil sind, es hängt aber stark an der Entwicklung der Schweizer Wirtschaft. Attraktiv ist für die Anleger vor allem die hohe Dividendenausschüttung, die fünf bis sieben Prozent des Aktienkurses betragen dürfte und damit über anderen Branchenvertretern liegt. «Wenn man eine Aktie mit einer kontinuierlichen Rendite von fünf Prozent sucht, dann ist man hier richtig», erklärte ein Vermögensverwalter. «Ich finde es eine interessante Alternative zu den klassischen Bankaktien.»

Die meisten Experten sind sich einig, dass GE Money Bank von den Anlegern besser aufgenommen werden dürfte als Ledermann, die unter anderem an der im Branchenvergleich mässigen Dividende, dem hohen Preis und dem geringen Emissionsvolumen von bis zu 130 Millionen Franken gescheitert war. Ein Investmentbanker erklärte, dass viele Profi-Investoren grössere Börsengänge bevorzugten, um schnell Positionen umschichten zu können.

Andere grössere Börsengänge liefen kürzlich wie geschmiert. Die Aktien der britischen Post Royal Mail waren vielfach überzeichnet und schnellten am ersten Handelstag in der Spitze um 48 Prozent in die Höhe. Auch in den kommenden Wochen dürften weitere Firmen an die europäischen Börsen drängen. Bankern zufolge sind internationalen Grossanleger dabei, Positionen aus Anleihen und US-Aktien in europäischen Aktien umzuschichten. «Wenn der US-Haushaltsstreit nicht wäre, hätten wir ein perfektes Börsenfenster», erklärte ein Banker.

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Im Vergleich zu New York und London gibt es in Deutschland und der Schweiz deutlich weniger Börsenneulinge. In beiden Ländern stehen in diesem Jahr keine grösseren Börsengänge an. Denn nicht nur die Aktienmärkte seien offen, auch der Zugang zu Krediten und Anleihen für Übernahmen sei günstig, sagen Banker.

Der Wettlauf zwischen Verkauf und Börsengang gehe deshalb bei vielen Firmen meistens immer noch zugunsten der Veräusserung aus. Spekuliert wurde zuletzt auch über einen Börsengang der deutschen Unicredit-Tochter HVB. Experten halten diesen zumindest kurzfristig aber für unwahrscheinlich. Im Gegensatz zu den Ergebnissen im Konsumkreditgeschäft schwanken die Gewinne bei Banken deutlich stärker - daher gelten Bankaktien als riskanter.

(reuters/chb/aho)