Silvio Bonaccio, Leiter der Technologietransferstelle an der ETH Zürich, kurz ETH transfer, weiss: «Die ETH spielte schon bei der Gründung des Technoparks eine wesentliche Rolle, und sie ist auch weiter mit an Bord.» Er erinnert daran, wie Thomas von Waldkirch, der bis 2004 als Direktor der Stiftung Technopark Zürich amtete und seither Präsident des Stiftungsrates ist, vor 17 Jahren als damaliger Leiter der Stelle «ETH und Wirtschaftsbeziehungen» nach einer USA-Reise die Idee zur Gründung hatte.

Als die Sache bald einmal konkret wurde, signalisierte die ETH sofort ihr Interesse und reservierte sich bereits im Rohbau Büros. Daraus entwickelte sich ein langjähriges Mietverhältnis, das sich heute im sogenannten Einstein-Trakt weiter fortsetzt. Die ETH platzierte beim offiziellen Start vor 15 Jahren eigene Institute im Technopark und nutzte den Standort, um ihre Forschungsaktivitäten mit Unternehmen zu intensivieren.

Zwei speziellen Initiativen, die ebenso ihren Ursprung an der ETH haben, ist es zu verdanken, dass immer mehr Leben in den Technopark kam: 1995 startete Verena Steiner das Firmengründungsprogramm «Lust auf eine eigene Firma». Der Besuch dieses Moduls war für viele Dozierende und Studierende der Anstoss, Forschungsergebnisse in kommerzielle Produkte und Dienste umzusetzen.

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Schub für die Gründerszene

Mit dem 1998 mit McKinsey auf die Beine gestellten Businessplan-Wettbewerb «Venture» wurde das Gründerklima weiter angekurbelt. Immer mehr Spin-offs entstanden, für die der Technopark der ideale Standort war. Die ETH konnte ihnen dort schnell und unbürokratisch Räume zu günstigen Konditionen zur Verfügung stellen.

Dieses Modell hat sich über die Jahre bis heute bewährt, und zwar auch aus atmosphärischen Gründen. «Die ETH-Spin-offs befinden sich im Technopark immer noch in der Nähe der Hochschule und sind trotzdem schon draussen in der Wirtschaft», betont Bonaccio. Zudem müssen die Jungunternehmen, wenn die auf zwei, allenfalls drei Jahre beschränkte Anschubunterstützung durch die ETH zu Ende geht, nicht umziehen. Sie können – wenn auch zu teureren Konditionen – im Technopark bleiben und dabei die Infrastrukturen der ETH weiter nutzen.

Die am Technopark gewährten Vorteile sind wohl mit ein Grund, dass 88% der in den letzten zehn Jahren an der ETH entstandenen Start-ups überlebt haben. Dies ist eine im internationalen Vergleich ausserordentlich hohe Erfolgsquote. Im Moment sind von 250 Mietern des Technoparks deren 24 eigentliche ETH-Spin-offs. Weil aber dieser Status ab Firmengründung auf fünf Jahre beschränkt ist, haben in Wirklichkeit weit mehr aktuelle Mieter ETH-Wurzeln.

Fragt man Bonaccio nach Vorzeigebeispielen, auf die er besonders stolz ist, tut er sich mit einer Antwort schwer. Eigentlich könnte er nun eine lange Geschichte erzählen. Schliesslich erwähnt er Supercomputing Systems. Die Engineeringfirma des ETH-Professors Anton Gunzinger hat sich auf den Prozess von computerbasierten Investitionsgütern spezialisiert, ist auf dem Markt sehr erfolgreich und zählt über 50 Mitarbeiter.

Grosses Potenzial attestiert Bonaccio auch Kuros Biosurgery. Sie fokussiert auf neuartige Biomaterialien und -stoffe für die Trauma-, Wund- und Wirbelsäulenbehandlung. In die Finanzierung der aufwendigen Forschung sind bislang über 90 Mio Dollar geflossen. Die Firma mit ihren 50 Beschäftigten arbeitet inzwischen mit dem Pharmakonzern Baxter. Obwohl offiziell schon länger nicht mehr ein ETH-Spin-off, nutzt sie weiter Labors der Hochschule im Technopark und erspart sich so teure Investitionen in Infrastrukturen.

Etliche Innovationsmotoren

Das Beispiel zeigt, dass sich die Zusammenarbeit zwischen dem ETH transfer und dem Technopark nicht einfach auf die Platzierung erfolgsversprechender Spin-offs beschränkt. So etwa ist die Hochleistungselektronikforschung der ETH im Technopark angesiedelt, was wiederum viele Hightech-Firmen anlockt, zum Beispiel Levitronix. Dieses Sulzer-Spin-off fabriziert magnetisch geladene Motörchen mit frei schwebenden Rotoren, die in der Medizinaltechnik in Blutpumpen und in der Halbleitertechnologie eingesetzt werden.

«Rund die Hälfte der Firmen im Technopark haben Forschungsaktivitäten mit Dritten, wobei zu 70% mit der ETH», verrät Bonaccio. Das heisst, dass gut 80 im Technopark angesiedelte Firmen über die Vermittlung der Transferstelle mit Forschungsgruppen der ETH ko operieren. Das erfolgreiche Modell trägt mit dazu bei, dass sowohl die ETH als auch der Technopark inzwischen gleichermassen als bedeutende Innovationsmotoren der Schweizer Industrie gelten.