Das 2004 vorsichtig und mit aller gebotenen Zurückhaltung initiierte Projekt basiert auf der Idee, eine Grosse Komplikation mit bislang einmaligen Merkmalen und hohem Gebrauchswert zu konstruieren. Das ist dem Team um CEO Philippe Merk mit Blick auf das während der «BaselWorld» 2008 erstmals öffentlich zu sehende Projekt tatsächlich auch gelungen.

Dabei verlangte das Vorhaben viel Mut und Risikobereitschaft. Merks Rückblick auf die Geburtsstunde: «Wir besassen die intuitive Idee zu einem optimal ablesbaren Chronographen und ein Team, welches bereit war, die damit verknüpfte Herausforderung anzunehmen. Angesichts der hohen Komplexität mussten wir uns für alles öffnen. Die technische Realisation eines bislang einmaligen und einzigartigen Konzepts bedingte beinahe zwingend die Einbeziehung jedweder Art von Problemlösungsmöglichkeit.»

Das Hirn ruht unter der Schale ...

Für Maurice Lacroix hat es sich retrospektiv gelohnt, ein derart hohes Risiko einzugehen, Flexibilität zu zeigen und einen bislang einmaligen Aufwand zu betreiben. Die Branche spricht über die 33-jährige Uhrenmanufaktur und ihr Megaprojekt eines spektakulären «Gedächtnis-Boliden», der innerlich über die Massen kompliziert ist, nach aussen hin aber trotz seines nicht alltäglichen Gehäuses eher reduziert in Erscheinung tritt. Drei Zeiger, eine Scheibe und dazu ein Fensterdatum: Mehr Anzeigen braucht die Mémoire 1 nicht. Hinzu gesellen sich zwei Drücker neben der Krone, die Insider auf einen Chronographen schliessen lassen.

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und besteht aus 537 Teilen

Doch gerade der Zeitschreiber hat es absolut in sich. Darauf deuten schon stattliche 537 Komponenten hin, welche zur Herstellung eines der Automatikwerke mit der Kaliberbezeichnung ML 128 erforderlich sind.

Die exzentrisch montierte Wolfram-Schwungmasse entfaltet ihre Wirksamkeit in beiden Drehrichtungen und stellt nach dem Spannen einer Zugfeder mit hoher energetischer Dichte eine Gangautonomie von gut vier Tagen her. Hier aber endet jeglicher Bezug zum uhrmacherisch Normalen.

Das konsequente Querdenken des Entwicklungsteams erkennen selbst Laien beim prüfenden Blick durch die Lupe. Die Basis rotiert nämlich entgegen dem Uhrzeigersinn. An dieser Drehrichtungsumkehr führt kein Weg vorbei, denn die Räder für Stunden, Minuten und Sekunden münden nicht – wie allgemein üblich – ins Zeigerwerk. Beim Kaliber ML 128 durchlaufen sie – wie der Name der Uhr bereits andeutet – eine Zwischenstation mit Gedächtnisfunktion.

«Verkehrte Welt» bot die Lösung

Es handelt sich um knapp 5 mm hohe Zeitspeicher. Weil es die Stunden, Minuten und Sekunden zu merken gilt, braucht Maurice Lacroix gleich drei dieser Mémoires. Das Vorhandensein dieses Trios mit untrüglichem Erinnerungsvermögen erklärt die scheinbar verkehrte, weil anfänglich links herum rotierende Mechanik. Denn zwei ineinander greifende Zahnräder führen immer zu einer Drehrichtungsumkehr. Gleiches gilt beispielsweise auch für vier, sechs, acht oder zehn Exemplare. Bei einem ungeraden Quantum, also drei, fünf, sieben oder neun Zahnrädern, bleibt die Drehrichtung am Ende hingegen gleich. In logischer Umsetzung dessen besteht die Getriebekette bei konventionellen Uhrwerken aus Minutenrad, Kleinbodenrad und Sekundenrad.

Besagte Mémoires fungieren als vierte im Bunde. Somit heisst es anfänglich – also vom Federhaus her – zwingend rückwärts drehen, damit die Indikationen für Stunden, Minuten und Sekunden wie gewohnt rechtsläufig rotieren. Die exklusive Nivaflex-M-Zugfeder wird somit auf ihrer Welle von rechts nach links komprimiert.

Modernste Verzahnungsprofile bewirken eine reibungsarme Weiterleitung der Kraft zum exklusiven Gangregler. Die Unruh schwingt mit 4 Hertz, besitzt einen Steg aus transparentem Saphir und einen weissgoldenen Reif. Auf dem Weg dorthin begegnet man der eigens für dieses Kaliber entwickelten Ankerhemmung.

Der chronometrische Turmbau

Doch zu den drei Gedächtniskünstlern der Mémoire 1. Sie drehen mit unterschiedlichem Tempo und memorieren so die ihnen jeweils zugedachten Zeitwerte, also die Stunden, Minuten oder Sekunden. Nur durch diesen Kunstgriff und andere Raffinessen ist es möglich, am Zifferblatt entweder die aktuelle Uhrzeit darzustellen oder die Anzeigeinstrumente für den Chronographen zu verwenden.

Das Umschalten geschieht nach dem Alles-oder-Nichts-Prinzip mit Hilfe eines Kronendrückers. Ein verwirrendes Misch-masch ist somit ausgeschlossen. Die jeweils nicht gefragte Funktion läuft aber zwangsläufig im Hintergrund mit und lässt sich über den Umschalter aktivieren.

Diese Technologie ist nicht geheimnisvoll. Jedes Mémoire besitzt drei kleine Herzscheiben. Eine dient – ganz klassisch – der Nullstellung des Chronographen. Die beiden anderen liefern dem Schaltwerk und damit den Anzeigen die jeweiligen Informationen, wohin sie nach der Betätigung des Umschaltdrückers blitzartig zu springen haben. In der mechanischen Realität ist alles allerdings deutlich aufwendiger als hier beschrieben.

Die Darstellung der Sekunden und Minuten übernehmen konzentrisch positionierte Zeiger. Der Chronographenzeiger ist gekröpft und damit auch seitlich wahrnehmbar. Für die Stunden ist eine transparente Scheibe aus mineralischem Material zuständig. Eine Spezialbehandlung verschafft diesem Werkstoff Härte und Flexibilität zugleich.

Durchmesser von 49 Millimetern

Dass die zugehörige Schale kein Winzling sein kann, versteht sich angesichts derart geballter Mechanik von selbst. Sie besteht aus Weissgold mit Palladium-Beschichtung, besitzt einen Durchmesser von 49 mm und lässt sich auch von 5 Atmosphären Wasserdruck nicht beeindrucken.