Es ist wohl das lukrativste Nebenprodukt globaler Migrationsströme. Das Geschäft mit Bargeldüberweisungen boomt wie noch nie. Weltweit schicken Gastarbeiter und Flüchtlinge jährlich 420 Mrd Dollar in ihre Heimatländer. Mit ihrem hohen Anteil an Migranten gilt die Schweiz als besonders interessanter Markt: Die Weltbank schätzt das Volumen auf 19 Mrd Dollar. Die grossen Anbieter von Geldtransfers wollen nun in Kooperation mit Schweizer Detaillisten das Geschäft schnell weiter ausbauen. In wenigen Wochen bietet Valora zusammen mit US-Partner Moneygram in der Deutschschweiz an rund 1000 Verkaufsstellen Geldtransfers in den Kosovo, nach Südamerika oder Afrika an.

An den 170 Verkaufspunkten des Westschweizer Kioskbetreibers Naville sind solche Überweisungen bereits heute möglich. In Zusammenarbeit mit Western Union erzielt Naville jeden Monat neue Rekordvolumen mit Wachstumsraten von bis zu 10%. Doch Western Union will mehr. In Österreich kooperieren die Amerikaner mit dem Tankstellennetz von OMV. Dieses Modell soll auf die Schweiz übertragen werden. Geldwäscherei-Experten warnen davor. «Man beklagt sich über die Ausdehnung der Kriminalität und dennoch werden grosszügig neue, einfachere Geldwäschereimethoden angeboten», so der Tessiner Wirtschaftsanwalt und einstige HSG-Professor Paolo Bernasconi. Das Bargeldgeschäft berge «ein erhöhtes Risiko», sagt eine Sprecherin des Justiz- und Polizeidepartements. Die Kioskbetreiber weisen die Kritik zurück und betonen die sorgfältige Ausbildung des Personals.