Der internetfähige Flachbildschirm bringt Trainingsvideos aus dem Netz direkt ins Wohnzimmer. Daheim zu trainieren ist bequem und geht laut den Versprechen der Videomacher schnell und einfach: «Renee's 30 Minute class, eFit30!» verspricht Fitness und gute Figur. «Pilates, work that six pack - full 30 minutes» soll einen straffen Bauch bringen.

Dies sind nur zwei Beispiele für Heim-Trainingprogramme, von denen es täglich mehr gibt. Auch Smartphone-Apps sind reichlich im Angebot. Doch jetzt schlagen Gesundheitsexperten Alarm.

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Eine Physiotherapeutin aus einem grossen Spital im Kanton Zürich sagt: «In der letzten Zeit kommen immer öfter Patienten mit Rückenproblemen und erzählen von Youtube-Trainingsfilmen als Ursprung für die Beschwerden.»

Vor Beginn des Video-Trainings sei der grösste Teil beschwerdefrei gewesen, so die Physiotherapeutin. Jetzt würden die Patienten unter Überlastung und Fehlbelastungen leiden, was bisweilen sehr schmerzhaft sein kann.

Programme gefährlich

Johannes Brühwiler, Vorstandsmitglied Hausärzte Schweiz, sagt: «Einfach von null an über eine App oder einen Youtube-Film mit Übungen zu beginnen, ist nicht zu empfehlen. Das kann schnell Probleme verursachen. Der Gesundheitsmarkt wird von den Apps aufgemischt werden. Die Frage ist noch ob zum Guten oder zum Schlechten.»

Nach den Berichten der Patienten hat sich die Physiotherapeutin im Internet über die Trainingsmethoden informiert und kommt zu einem vernichtenden Urteil: «Die Übungen werden grundsätzlich zu schnell durchgeführt und bei allen gesehenen Filmen sind zu grosse Bewegungen und zu lange Hebel vorgeführt worden. Dabei wirkt ungewollt die Kraft auf die labilsten Körperstellen.»

Bei Menschen, die leicht ins Hohlkreuz fallen, kann dies zu einer Überbelastung des Rückens führen, da meistens die Rumpfstabilität für die präsentierten Übungen noch zu schwach ist. «Extrem häufig ist die Rupfmuskulatur zu wenig gestärkt. Dies hängt meistens mit der sitzenden Tätigkeit im Büro zusammen», führt der Hausarzt an.

Kassen haben keine Zahlen

Auf Anfrage konnten verschiedene Schweizer Krankenkassen keine Angaben über die Kostenfolgen von Beschwerden durch falsches Training angeben. Eine Kasse gibt laut der Physiotherapeutin sogar selbst ein Merkblatt mit Übungen heraus, die beim Training ohne Anleitung ebenfalls zu Problemen führen können.

Wer trainieren wolle, könne sich schützen, sagt Johannes Brühweiler. «Wirklich wichtig ist eine kompetente Betreuung, die Rumpf und Rücken während den Übungen im Blick hat.»