Die aufs Krebsmedikament Thiotepa spezialisierte Firma Alkopharma darf vorerst nicht mehr geschäften. Ende September 2011 tauchten Swissmedic-Experten in Begleitung von Polizeibeamten auf dem Gelände der Firma in Martigny, Wallis auf.

Die Aufsichtsbehörde für Heilmittel Swissmedic wurde von ihrem Pendant in Frankreich Afssaps im September gewarnt, dass Alkopharma möglicherweise Krebsmedikamente mit gefälschten Verfalldaten verkaufte. Was die Swissmedic-Experten beim Besuch im Wallis vorfanden, musste sie zum raschen Handeln bewogen haben. Denn schon am 5. Oktober 2011 erliess Swissmedic einen gezielten Rückruf. Das Produkt Thiotepa ist in der Schweiz zwar nicht zugelassen. Doch aufgrund von Sonderregelungen wurden auch Schweizer Spitäler beliefert.

Die Untersuchungen von Swissmedic erhärteten den Verdacht auf Schummeleien beim Verfalldatum. Swissmedic untersagte Alkopharma am 28.11.2011, bis auf Weiteres Arztneimittel zu beziehen oder zu liefern.

Versteckspiel vor der Presse

Gemäss Recherchen von «Le Temps» sind in Frankreich 30'000 Packungen Thiotepa in Umlauf, für die Schweiz sind keine Zahlen vorhanden. Dies könnte Alkopharma schnell ändern, doch offenbar scheut man in Martigny die Öffentlichkeit:  «Le Temps» berichtet in der heutigen Ausgabe, das sich der Alkopharma-Chef Alain Bouaziz Presseanfragen wiederholt entzog.

Swissmedic wollte sich mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht dazu äussern, wie sich die Kooperation von Bouaziz gegenüber Swissmedic gestaltet.

Gute Beziehungen zur Kantonalbank

Offenbar verfügte Bouaziz über ausgezeichnete Beziehungen zum Kanton Wallis und der Walliser Kantonalbank (BCVs). «Le Temps» berichtet, der Kanton habe die Firma als «florierend», aber «intransparent» beschrieben. Doch bei BCVs-Verwaltungsrats-Präsident Jean-Daniel Papilloud habe die Firma über besondere Sympathie verfügt. Noch letztes Jahr erhielt sie laut der Zeitung einen für die Firma äusserst wichtigen Kredit. BCVs wollte zu dieser Geschäftsbeziehung keinen Kommentar abgeben.

Alkopharma vertrieb auch noch andere Medikamente als Thiotepa. Der Leiter Bewilligungen von Swissmedic, Hans-Beat Jenny, sagte gegenüber der «Handelszeitung», dass aufgrund der aktuellen Erkenntnisse keine weiteren Rückrufe vom Schweizer Markt geplant sind.

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