Man hat sich beinahe daran gewöhnt, dass der Dollar gegenüber dem Franken oder Euro neue Tiefst erreicht. Als wichtige und sicherlich auch zutreffende Gründe für die Dollarbaisse werden die Krise im US-Hypothekenmarkt und die damit zusammenhängende Reaktion der US-Notenbank genannt.

Diese hat die Zinsen trotz hoher Geldentwertung gesenkt. Die untenstehende Grafik illustriert jedoch, dass das Problem mit dem Dollar tiefer geht. Abgebildet ist der handelsgewichtete Index des Dollar. Die in diesem Index enthaltenen Währungen werden nach den jeweiligen Volumen des Aussenhandels, den sie mit den USA haben, gewichtet. Die Botschaft ist klar: Der Index erreichte im Februar 1985 mit 148,12 ein Höchst. Seither ist er in einem Bärenmarkt.

USA muss Defizite reduzieren

Es wird immer offensichtlicher, dass die USA keinen Finger rühren, um den Dollarverfall zu stoppen. Bei jeder Gelegenheit haben die Finanzminister der USA gesagt, dass die USA an einem starken Dollar interessiert seien, jedoch bewegt diese Aussage an den Märkten kaum noch etwas. Offensichtlich verlieren immer mehr Anleger den Glauben, die USA seien bereit, ihre Budgetdefizite massiv runterzufahren und die Geldpolitik so zu führen, dass die Preisstabilität auch tatsächlich gewahrt wird.

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Für Länder, die ihre Währungen an den Dollar gebunden haben, hat dieses Verhalten der USA gravierende Konsequenzen. Um den Wechselkurs stabil zu halten oder mindestens schockartige Aufwertungsschübe zu vermeiden, sind diese Nationen gezwungen, Dollar gegen die eigene Währung zu kaufen oder aber, je nach System, ihre eigene Geldpolitik jener der USA anzupassen. Das kann im Einklang mit den Bedürfnissen der eigenen Volkswirtschaft sein, aber es besteht die Gefahr, dass eine inflationistische Politik, die ursprünglich auf die Bedürfnisse der USA zugeschnitten ist, sozusagen importiert wird. Das müssen unter anderem die Golfstaaten erfahren. Im Januar ist die Inflationsrate in Saudi Arabien auf den Rekord von 7% geklettert und in Katar hat sie 13,7% erreicht.

Alan Greenspan, der ehemalige Fed-Vorsitzende, hat denn auch den Golfstaaten und den Vereinigten Arabischen Emiraten empfohlen, die Koppelung ihrer Währungen an den Dollar zugunsten eines frei flottierenden Währungssystems aufzugeben. Eine Politik, die zwar die Inflationsrisiken mindern würde, jedoch in einem Aufwertungsschock münden könnte. Als Alternative wird diskutiert, die Wechselkurse dieser Länder an einen Korb von Währungen zu binden. Eine weitere Variante, um das Problem zu lösen, die innerhalb der Opec debattiert wird, ist Erdöl in einer anderen Währung als dem Dollar zu handeln. Dagegen jedoch sträubt sich Saudi Arabien. Möglicherweise aufgrund amerikanischen Drucks. Aber ein anderes Argument sind die sehr hohen Dollarreserven von Saudi Arabien. Denn wenn Erdöl in einer anderen Währung kotiert würde, käme der Dollar weiter unter Druck und die in Dollar denominierten Vermögenswerte noch stärker an Wert verlieren würden. Somit erscheint es plausibel, dass die Öl exportierenden Nationen anziehende Ölpreise als Kompensation für den Wertverlust, den sie durch den fallenden Dollar erleiden, ansehen. Erdöl wird gleichzeitig immer stärker als Absicherung gegen Dollarrisiken angesehen. In diese Logik sind auch Preise von Lebensmitteln wie Reis geraten. Die Korrelation von Reis zum Wechselkurs des Euro zum Dollar hat in den letzten zwölf Monaten nahezu 90% betragen. Damit, so warnte der Präsident der Weltbank, Robert Zoellick, bahne sich eine Katastrophe für Länder an, die ihre Währungen an den Dollar gebunden hätten und deren Kaufkraft somit mit jener des Dollar sinke.

Staatsfonds als Preistreiber

Wer genau die Preise an den Rohstoffmärkten treibt, ist schwierig zu ermitteln. Aber es kann durchaus sein, dass auch zusehends Staatsfonds, die auf riesigen Beständen an Dollar sitzen, Anlagealternativen suchen. Das Problem vieler dieser Fonds ist, dass sie ihre Dollar nicht so investieren können, wie sie es eigentlich gerne möchten. Auf hohe Hindernisse für Anlagen stossen diese Fonds auch in Europa, und die Hürden werden höher. Wenn nun also der Dollar langfristig weiter stark an Wert verliert und in den USA die Geld- und Fiskalpolitik nicht deutlich gestrafft wird, dann wird die Flucht aus dem Dollar in Sachwerte anhalten.

Um dem zu entkommen, muss nicht nur die Wirtschaftspolitik in den USA angepasst werden, sondern es ist unabdingbar, dass das Währungssystem grundlegend reformiert wird. Entscheidend ist, die Währungen wieder an ein nicht beliebig vermehrbares Gut – zum Beispiel Silber – anzubinden. Ein Dollar würde dann beispielsweise einer Unze Silber entsprechen, der Franken zwei Unzen und entsprechen ergäbe sich dann der Wechselkurs Dollar zu Franken. Ein solches System erscheint momentan utopisch. Aber der Umstand, dass Sachwerte als Alternative zur Leitwährung unseres Währungssystems gesucht werden, ist ein erstes Signal, dass der Dollar zumindest als Wertaufbewahrungsmittel nur noch als bedingt tauglich angesehen wird. Damit hat er jedoch eine bedeutende Währungsfunktion eingebüsst.