Der Optimismus kehrt zurück, wie die aktuelle Studie zu den gegenwärtigen Löhnen für Berufseinsteiger in mehreren europäischen Ländern und Branchen zeigt, so auch in der Schweiz (siehe Tabelle rechts).

«Die Vergütungen für Young Professionals mit bis zu drei Jahren Berufserfahrung sind gegenüber dem Vorjahr durchs Band in allen verglichenen Staaten gestiegen», sagt Martin Emmerich, nationaler Leiter des Beratungssegments Talent & Rewards bei der internationalen Unternehmensberatung Towers Watson (vormals Towers Perrin). Sie führt die Erhebung zu den Einstiegssalären jährlich durch.

Das vorliegende Resultat läutet offensichtlich eine Trendwende ein, nachdem die Grundgehälter in den Krisenjahren 2008 und 2009 gesamteuropäisch durchschnittlich um je bis zu 10% zurückgegangen sind. «Die wieder erfreulicheren Tendenzen in den Volkswirtschaften, wenngleich noch nicht stabil, schlagen sich ganz offenbar auf die Einstiegssaläre nieder», interpretiert Emmerich. Die Vergütungen für Nachwuchskräfte gelten in Fachkreisen seit jeher als verlässliches Abbild der ökonomischen Entwicklung.

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Pharma überflügelt Finanzen

Diese wird in der Schweiz noch etwas zurückhaltender beurteilt als anderswo. Im internationalen Vergleich eher gering nehmen sich nämlich die Lohnzuwächse von Berufseinsteigern aus. Besonders in den Bereichen Hightech, Finanzsektor, Ingenieure sowie Zentralfunktionen im Gesamtmarkt sind die Einstiegssaläre im Ausland stärker gewachsen.

In der Schweiz betragen die Zunahmen in diesen Branchen zwischen 0,4% und 1,0%, während deutsche, österreichische oder italienische Einsteiger zumindest prozentual stärker dazuverdienen können. In absoluten Zahlen gleicht sich dies in den meisten Fällen jedoch aus, weil sich die Schweizer Löhne im europäischen Vergleich in praktisch allen untersuchten Branchen bereits am oberen Ende befinden.

Ausländische Berufskollegen lohntechnisch deutlich hinter sich lassen besonders Schweizer Jungbanker. Zurzeit kann ein Newcomer in der Finanzbranche hierzulande mit einem Einstiegslohn von 103 500 Fr. rechnen, was gegenüber dem Vorjahr einem Plus von 1% entspricht. Überholt wurden die Jungbanker allerdings im Inland, und zwar von der Pharmabranche, welche die Krise weitgehend unbeschadet überstanden hat. Dies hat zur Folge, dass Pharmakonzerne seit Jahren und auch heuer europaweit die grössten Lohnerhöhungen für Young Professionals gewähren können. Der Einstiegslohn von Schweizern in der Pharma/Chemie beträgt gemäss Towers Watson 2010 im Durchschnitt 104 000 Fr., was einer auch im internationalen Vergleich überdurchschnittlichen Zunahme von 3% gegenüber 2009 entspricht.

Variable Entschädigung sinkt

Auffallend ist, dass der frühere Trend von wachsenden variablen Lohnbestandteilen von der aktuellen Studie nicht bestätigt wird. Im Gegenteil: Der Hauptanteil der Vergütungszuwächse betrifft den Grundlohn. Bei variablen Entschädigungen wie Boni sind Unternehmen vorsichtiger geworden - zumindest beim Nachwuchs. In der Schweizer Finanzbranche machen sie 2010 noch 9% (2009: 11%) des Gesamtsalärs von Berufseinsteigern aus. «Das hat mit dem Prinzip von Risikobegrenzung und Nachhaltigkeit zu tun, das aufgrund der jüngsten Fehlentwicklungen wohl verstärkt in die Salärstrategie von Unternehmen integriert worden ist», vermutet Martin Emmerich von Towers Watson Switzerland mit Büros in Zürich sowie Lausanne.

Saläre werden weiter steigen

Die Ergebnisse der aktuellen Erhebung machen Hoffnung für junge Berufseinsteiger und solche, die es nach Abschluss ihrer Ausbildung werden möchten. «Wir sind überzeugt, dass Hochschulabsolventen und Young Professionals in den kommenden Jahren stärker am Arbeitsmarkt gefragt sein werden als je zuvor», sagt Emmerich. Gerade im hoch qualifizierten Bereich sei künftig mit einem Überangebot an guten Stellen zu rechnen, das zu einem intensiven Wettbewerb um die besten Talente und damit auch um die Vergütungen führen werde.

Leichte Vorbehalte hat Emmerich hingegen für die hiesige Finanzindustrie: «Es muss sich noch zeigen, inwiefern die neuen regulatorischen Bestimmungen auch auf die unteren Hierarchiestufen durchschlagen.» Insgesamt stünden die Ampeln jedoch auch hier auf Grün. Deshalb sei bei den Banken und Versicherungen im Umfeld der anziehenden Märkte genauso mit nachhaltig steigenden Einstiegssalären zu rechnen.