Hersteller von elektronischen Geräten wie Drucker, Kopfhörer, Waschmaschinen oder Elektrozahnbürsten bauen offenbar immer häufiger Schwachstellen in ihre Geräte ein, damit sie schneller verschleissen oder kaputt gehen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Grünen im Deutschen Bundestagsfraktion, über die die «Saarbrücker Zeitung» berichtet.

In dem Gutachten werden zahlreiche Produkte aufgeführt, bei denen die Industrie laut Experten täuscht oder trickst. So würden Hersteller Bauteile verwenden, die einen frühzeitigen Defekt auslösten. Auch würden technische Tricks angewendet, um die Nutzungsdauer eines Gerätes zu verkürzen.

Die Leidtragenden, so die Gutachter, seien die Kunden, die in immer kürzeren Abständen neue Produkte kaufen müssten. Einer der Autoren, der Verbraucherexperte Stefan Schridde, sagte der Zeitung, er habe in den letzten Jahren an die 2000 Hinweise auf verdächtige Produkte ausgewertet. Laut Gutachten kostet der künstliche Verschleiss die deutschen Verbraucher mehrere Milliarden Euro im Jahr. 

Beschwerden auch in der Schweiz

«Bild.de» führt mehrere Beispiele zur Studie auf. Demnach werden in manchen Geräten, etwa Rührgeräten, minderwertige Plastikzahnräder eingebaut, die sich schneller abnutzen, nach höchstens drei Jahren zerfräst oder von Schmiermitteln zerfressen sind. Sie würden nicht ersetzt – oft käme auch niemand an den Schaden heran, weil etwa elektrische Zahnbürsten und Handys nicht aufgeschraubt werden können. Dasselbe gelte bei Haartrocknern oder Heizdrähten im Toaster.

Die Chefin des Schweizer Konsumentenschutzes, Sara Stalder, bestätigt «Handelszeitung Online», dass auch ihre Stiftung ähnliche Beschwerden bekommt - etwa zu Waschmaschinen, Laptop-Akkus und Mixern. «Allerdings sind das nur Einzelfälle. Eine systematische Grundlage haben wir bisher noch nicht gefunden.» Daher sei man gespannt auf die Details der deutschen Studie. Bereits jetzt fordere der Konsumentenschutz «längere Garantiezeiten und Reperaturen, die günstiger sind als Neuanschaffungen». 

«Das Ergebnis ist nicht überraschend, schliesslich ist Co-Autor Stefan Schridde Initiator des Verbraucherportals ‹Murks? Nein Danke›, das sich gegen geplante Obsoleszenz einsetzt», kritisiert dagegen «Spiegel Online». Die Plattform würde im Gutachten mit einem eigenen Abschnitt gewürdigt, dort gesammelte Erfahrungen dienten als Quelle für viele Fallbeispiele. «Ein unabhängiger Gutachter sieht anders aus.»

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Enormer Wettbewerbsdruck

Wirklicher Vorsatz der Hersteller sei aber, das räumten die Autoren selbst ein, «nur sehr schwer nachweisbar». Auch nach Auskunft von Ingenieuren mit jahrzehntelanger Erfahrung sei «bewusst gewollter vorzeitiger Verschleiss von Produkten durch Einbau von Schwachstellen sehr selten», heisst es auf der Nachrichtenseite weiter.

Konkrete Beispiele für vorsätzlichen Verschleiss seien in der Untersuchung denn auch Mangelware, schreibt «Spiegel Online». Stattdessen lieferten die im Gutachten zitierten Ingenieure für viele Fälle eine simplere Erklärung: Durch den enormen Wettbewerbsdruck stünden «praktisch alle Neuentwicklungen unter sehr starkem Kostendruck». Und das billigere Teil sei nun einmal selten das langlebigere.

(tno/vst)