LIDL. «Lidl will seine Anfangsverluste in der Schweiz so gering wie möglich halten», meint Handelsexperte Matthias Queck, der für den Handelsanalysten Planet Retail das Discount-Business europaweit beobachtet. Nach seiner Erkenntnis wird Lidl dort, wo Aldi-Filialen schon vorhanden sind, verstärkt mit Markenprodukten auftreten, da der Mitbewerber weitestgehend (bis zu 98%) auf Eigenmarken setzt.

Der Markteintritt wird für Lidl teuer: Auf mindestens 2 Mio Fr. pro Filiale plus Grundstückskosten schätzt Queck die Belastung. Somit dürften 25 Mio Fr. Anlaufkosten entstehen. Dieses Geld wird offenbar derzeit in Frankreich erwirtschaftet. Der französische Markt gilt mit annähernd 5,5 Mrd Euro Umsatz für Lidl als lukrativstes Auslandsengagement. Dort werde Geld für die Schweiz zurückgelegt, berichten auch französische und deutsche Gewerkschafter, die Europas zweitgrössten Discounter seit längerem aufgrund seiner umstrittenen Personalpolitik im Auge behalten.

Personalsuche als Signal

Die bereitet auch Vertretern der schweizerischen Unia Kopfzerbrechen. Mit Sorge beobachtet Unia-Vertreter Robert Schwarzer die Entwicklung beim Mitbewerber Aldi, der seit Oktober 2005 in der Schweiz aktiv ist und im Laufe der nächsten Monate auf 100 Filialen kommen will. «Billigpreis-Politik wird auf dem Buckel des Personals betrieben», beschwert sich der Berner Gewerkschafter. Angestellte würden nur 50%-Verträge bekommen, müssten aber 100% einsatzbereit und verfügbar sein. Lediglich Filialleiter bekämen 100%-Verträge, weiss Schwarzer. Eine ähnliche Personalpolitik befürchtet der Unia-Mann bei Lidl: Der Discounter sucht in der Schweiz derzeit verstärkt Kaderpersonal, ein weiteres Indiz für den baldigen Start. Personalsuche und -auswahl seien sehr entscheidend und müssen im Vorfeld abgestimmt wer-den, bestätigt der süddeutsche Verdi-Gewerkschafter Werner Wild. Während das Lidl-Verteilerzentrum in Weinfelden demnächst stehen dürfte, könnten die jeweiligen Verkaufsstellen danach sehr schnell innerhalb weniger Wochen hochgezogen werden, da bei den Discountern bis zu den Regalachsen alles standardisiert sei, sagt Wildi. Nach Erkenntnissen des Verdi-Regionalleiters, der die Lidl-Filialen entlang des Bodensees genau kennt, sollen in der Schweiz die grösseren Ladenmodule mit rund 1500 m2 zum Einsatz kommen. Sowohl auf der deutschen wie auch auf der schweizerischen Lidl-Website werden Schweizer Konsumenten mit entsprechenden Bestell- und Abholmöglichkeiten in den grenznahen Filialen auf das künftige Lidl-Einkaufserlebnis eingestimmt. Lidl Schweiz bestätigt der «Handelszeitung» nur, dass Standorte in der gesamten Schweiz geplant seien. Aus wettbewerbspolitischen Gründen gebe es jedoch keine näheren Angaben zur weiteren Entwicklung.

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