Wie beurteilen Sie die Reaktionen der Zentralbanken auf die Kreditmarktkrise?

Pierre-Olivier Pourcelot: Während die Fed mit der starken Zinssenkung die Kreditkrise sofort abwenden will, scheint die EZB erst die Folgen auf die Realwirtschaft (Verteuerung der Kredite, nachlassender Konsum) abzuwarten.

Welchen Ansatz ziehen Sie vor?

Pourcelot: Die EZB handelt vorsichtiger. Auch die Fed hätte die Zinsen nicht gleich um 50 Basispunkte senken müssen. Nun besteht die Gefahr, dass die Investoren, die mit grossem Leverage agieren, wie bisher aggressiv weitermachen, da die Zentralbanken sie vor Kursverlusten schützen.

Gibt es Anhaltspunkte dafür?

Pourcelot: Die grösseren Investoren verfolgen zurzeit eine «wait and see»-Strategie. Nach dem Fed-Entscheid wird allgemein eine Fortsetzung der Rally an den Aktienmärkten erwartet, vergleichbar mit jener nach 1998, die auf die Krise um den LTCM Hedge-Fonds folgte.

Gibt es Parallelen zu damals?

Pourcelot: Im Vergleich zu den 90er sind die Bilanzen der Firmen heute solide. Dagegen ist zu befürchten, dass der private Konsum, insbesondere in den USA, in den nächsten Monaten nachlassen wird. Durch die Immobilienkrise und die steigenden Ölpreise gehen die freien Mittel der Haushalte zurück. Wäre der Aktienmarkt auch eingebrochen, wäre dies für sie verheerend gewesen.

Wie werden sich die Aktienmärkte weiterentwickeln?

Pourcelot: Die Senkung der kurzfristigen Zinsen führt dazu, dass es kurzfristig weiter aufwärts gehen wird. Gleichzeitig dürften aber die langfristigen Zinsen ebenfalls steigen, was die Firmen belastet.

Welche Anlagestrategie empfehlen Sie den Anlegern?

Pourcelot: Ich bin für die nächsten sechs Monate optimistisch für europäische Aktien, da die Bilanzen solide sind und sich die Wirtschaft in Europa erfreulich entwickelt. Selektiv kommen auch Papiere aus den Emerging Markets in Frage. Daneben sollten die Anleger eine Cash-Position halten, die sie ab Mitte 2008 wieder in Bonds, auch High Yield, und US-Aktien investieren können. Für US-Titel spricht der tiefe Dollarkurs. Zudem sollten die US-Aktien dann den Tiefpunkt erreicht haben. Im Hedge-Fonds-Bereich empfehle ich Strategien mit wenig Leverage.

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