Die Aktienmärkte geben weltweit deutlich nach. Stehen wir am Beginn einer Baisse oder nur einer erneuten Korrektur?

Markus Stadlmann: Es gibt derzeit keinen Grund für eine längere Baisse. Die Konjunktur ist robust und die Profitabilität der Unternehmen weiterhin gut. Insofern handelt es sich bei den Kursrückgängen um eine kurzfristige Korrektur. Aber wir stecken im Sommerloch, der Markt ist also recht illiquide und die Volumen sind gering, sodass die Ausschläge deutlicher ausfallen als an aktiven Handelstagen.

Wie tief könnte die Korrektur gehen?

Stadlmann: An den führenden Börsen sind Kursrückgänge bis 8% durchaus denkbar. In den Emerging Markets können einzelne Märkte sogar im tiefen zweistelligen Bereich korrigieren.

Wenn es nur eine Korrektur ist, bieten sich Kaufgelegenheiten. Welche Märkte empfehlen Sie?

Stadlmann: Schweizer Aktien sind tendenziell schon zu hoch bewertet, was ja auch die Underperformance des SMI im Vergleich zu anderen Indizes zeigt. Deutsche und europäische Aktien sind tiefer bewertet und dürften noch weiterhin vom soliden konjunkturellen Aufschwung in Europa profitieren. Aber die meisten Chancen sehen wir in den Emerging Markets.

Was stimmt Sie da so positiv?

Stadlmann: Die sich entwickelnden Märkte zeigen noch immer einen Bewertungsabschlag von 10% gegenüber den entwickelten Ländern. Zudem weisen verschiedene Schwellenländer sehr gute strukturelle Daten auf.

Wer sind Ihre Favoriten?

Stadlmann: Korea, Taiwan und Thailand versprechen derzeit viel Potenzial.

Was ist mit den BRIC-Staaten?

Stadlmann: China ist etwas heiss gelaufen, auch Indien ist teuer, Russland ist nur auf den ersten Blick günstig. Innerhalb der BRIC-Länder finden wir daher Brasilien relativ am attraktivsten.

Was halten Sie von Investitionen in der Türkei?

Stadlmann: Das ist ein Markt, den wir sehr genau beobachten. Die Aktien sind tief bewertet und die politischen Risiken sind weitgehend draussen. Da könnte sich in den nächsten Monaten ein guter Einstieg entwickeln.