Die Aktienkurse notieren schon wieder im Plus. Haben wir die Korrektur schon gesehen?

Christian Gattiker: Das Thema Kreditmarktkrise wird uns noch einige Zeit verfolgen. Ebenso wie der – gelinde gesagt – durchzogene Newsflow seitens der betroffenen Unternehmen. Von daher kann es durchaus noch weitere Kursschwankungen geben, wie wir sie in den letzten Tagen gesehen haben. Man kann noch nicht guten Gewissens Entwarnung geben.

Welches Risiko sehen Sie bei den Bankaktien?

Gattiker: Die Finanztitel stehen im Mittelpunkt des Geschehens, sie sind das Epizentrum der ganzen Bewegung. Der Markt wird bis in die Berichterstattung des 3. Quartals
hinein eine hohe Risikoprämie verlangen. Derzeit versuchen Analysten einzuschätzen, wie gross der Schaden der Kreditmarktkrise in den Bilanzen der Banken sein könnte und welche realwirtschaftlichen Folgen eine Kreditverknappung hätte.

Wie hoch schätzen Sie das Risiko einer nachhaltigen Krise ein?

Gattiker: Wir gehen nicht davon aus, dass das Ganze sich in eine amerikanische Rezession oder gar in eine globale Wachstumskrise ausweitet und in einem Crash enden wird. Die Unsicherheiten im Subprime-Segment dürften sich schon allein wegen der begrenzten Grösse des Segments nur bedingt wachstumshemmend auswirken. Daher gehen wir auf der Aktienseite davon aus, dass wir nach einer ersten Phase mit grossen Kursschwankungen im 4. Quartal wieder auf einen festeren Pfad einschwenken werden.

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Könnten wir dieses Jahr erneut eine Jahresendrally sehen?

Gattiker: Jetzt schon eine Jahresendrally zu prognostizieren, bevor die Verwerfungen am Kreditmarkt ausgestanden sind, erscheint etwas voreilig. Die Märkte könnten aber – vielleicht sogar von einem
tieferen Indexstand aus – zum Jahresende eine schöne
Gegenbewegung hinlegen.

Wagen Sie eine Prognose für den Stand des SMI auf Ende Jahr?

Gattiker: Unsere Prognose bleibt bei 9400 Punkten. Das ist sicher im Moment recht sportlich, aber solche Bewegungen liegen durchaus drin, wenn unser Szenario eintritt.