Die heftigen Kursturbulenzen seien vielfach von Hedge-Fonds ausgelöst worden, heisst es am Markt. Richtig?

Eric Syz: Diese Anschuldigungen sind nur teilweise berechtigt. Grundsätzlich nehmen gerade die auf quantitativen Modellen beruhenden Arbitrage-Fonds die Stellung von «Market Makers» ein. Sie versorgen den Markt mit Liquidität und sorgen somit für Stabilität. Um ihr Risiko in der jünsten Korrektur zu verringern, haben die Fonds jedoch Liquidität vom Markt abgezogen. Das hat dazu beigetragen, die Bewegungen in Aktienpapieren zu verstärken.

Wann können die Fonds wieder für Stabilität sorgen?

Syz: Die Sache ist wohl vorbei, denn am Ursprung stand ein Liquiditätsproblem. Dies ist inzwischen gelöst. Was nicht heissen will, dass damit die Börsenbaisse vorüber ist, denn
diese hat ja noch andere Gründe. Die Turbulenzen könnten noch einige Monate andauern.

Muss man mit weiteren Ausfällen bei Hedge-Fonds rechnen?

Syz: Die Ausfälle bei Hedge-Fonds sind wohl nur ein Tropfen auf den heissen Stein, verglichen mit dem, was wir bei einigen Banken zu erwarten haben. Gute Hedge-Fonds werden weiterhin vernünftige Resultate liefern, da sie nun von günstigen Käufen profitieren können. Ich erwarte, dass der Oktober bereits wieder
positiv sein wird. 2007 dürften Dachfonds 12% Rendite erreichen.

Welche Hedge-Strategien profitieren denn am meisten?

Syz: Mit guten Gewinnen rechne ich bei Distressed-Strategien, die auf in Schwierigkeiten geratene Firmen oder notleidende Kredite spekulieren. Ferner Merger-Arbitrage-Ansätze sie werden von Unsicherheiten im Buyout-Bereich profitieren können.

Stichwort Buyouts: Die Firmenkäufe von Private-Equity-Häusern sind ins Stocken geraten. Drohen jetzt sinkende Renditen für die Branche?

Syz: Bei Firmenübernahmen war ja die Preisgrenze schon vor Monaten überschritten. Deshalb ist das, was jetzt geschehen ist, eine sehr heilsame Entwicklung. Mit der Korrektur dürften Private Equity wieder zu günstigeren Käufen kommen. Das hilft der Rendite. Hart getroffen werden erneut die Banken, welche die Finanzierung teurer Deals schon zugesichert haben. Dort könnte es noch Malheurs geben.

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