Warum spüren Chinas Börsen nichts von der Kreditkrise?

James Chong: Die chinesischen Firmen sind kaum im US-Subprime-Markt engagiert, zudem herrschen in China derzeit keine Rezessionsängste. Im Gegenteil: Es wird befürchtet, dass sich die Wirtschaft überhitzen könnte.

Wie gross schätzen Sie das Risiko ein, dass es erneut zu einem Einbruch kommt?

Chong: Die Korrektur Anfang Jahr war nicht fundamental begründet, sondern wurde von Gerüchten ausgelöst. Die Börsen sind allerdings nach wie vor volatil und die Bewertungen hoch. Gleichzeitig wachsen aber auch die Gewinne schnell. In den nächsten Jahren rechne ich mit einem Gewinnwachstum von rund 40 bis 50%.

Ist es schon zu spät, um noch auf den Zug aufzuspringen?

Chong: Nein, die Rally an den Börsen dauert erst zwei Jahre, obwohl der wirtschaftliche Aufschwung bereits seit mehreren Jahren anhält. Im Jahr 2030 wird China die grösste Wirtschaftsmacht der Welt sein.

Den chinesischen Privatanlegern wird eine Casino-Mentalität nachgesagt …

Chong: Aus meiner Sicht hat es noch keine «verrückten» Ausmasse angenommen. Die Bewertung der A-Aktien, die nur für Chinesen und einige wenige ausländische Fonds zugänglich sind, ist jedoch tatsächlich sehr hoch. Wir sind mit unseren Fonds denn auch nur zu einem kleinen Teil in A-Aktien investiert. Die grösste Beteiligung haben wir in H-Aktien. Das sind Titel, die in Hongkong gehandelt werden.

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Warum sehen Sie an der Hongkonger Börse mehr Potenzial?

Chong: Die chinesische Regierung hat die Bestimmungen gelockert, das heisst die Börse in Hongkong ist nun auch für Anleger aus Festlandchina offen. Deshalb wird künftig viel Liquidität an die Hongkonger Börse fliessen.

Welche Aktien gefallen Ihnen besonders?

Chong: Der Industriesektor in China wächst sehr schnell.
Ein gutes Beispiel ist China Communication Construction. Auch Healthcare-Aktien gefallen mir, beispielsweise Wuxi PharmaTech. Weniger attraktiv erscheinen dagegen die Bankenwerte; das Wachstumspotenzial wird durch die Regierungspolitik beschränkt.