Im letzten September ist so viel Geld aus europäischen Fonds abgeflossen wie seit fünf Jahren nicht mehr. Wird noch mehr folgen?

Rolf Maurer: Die Mittelabflüsse waren eine direkte Folge der Verunsicherung an den Finanzmärkten. Schlagzeilen, dass Fonds aus der als sicher geltenden Kategorie der Geldmarktfonds Verluste erlitten, führten zu panikartigen Rückzügen. Zusammen mit dem prozyklischen Verhalten breiter Anlegerschichten führte dies zu starken Mittelabflüssen. Das dürfte sich aber legen.

Besonders heftige Abflüsse hatten Geldmarktfonds zu erleiden. Sollten diese Vehikel in Zukunft gemieden werden?

Maurer: Das Kind mit dem Bade auszuschütten, ist selten ein guter Rat. Anleger müssen sich bei Geldmarktfonds erkundigen, wie diese ihr Geld anlegen. Insbesondere bei Produkten, die einen Mehrwert gegenüber den Geldmarktsätzen anpeilen, ist erhöhte Aufmerksamkeit angezeigt.

Würden Sie selber dazu raten, Fondsanteile zu verkaufen und Cash zu halten? Welche Fonds-segmente sind interessant?

Maurer: Ob und welche Fonds man hält, sollte grundsätzlich durch die eigene Risikofähigkeit und -willigkeit bestimmt werden. Sicher ist, dass ein traditioneller Geldmarktfonds, der mit Zinspapieren erstklassiger Schuldner bestückt ist, höhere Sicherheit bietet als das Sparkonto einer x-beliebigen Bank.

Privatanleger wechseln auch zunehmend in alternative
Anlagen wie Hedge-Fonds.

Ist das ein gesunder Trend?

Maurer: Alternative Anlagen gehören meines Erachtens in ein gut diversifiziertes Portefeuille. Das starke Wachstum dieser sehr heterogenen Fondskategorie hat auch eine Sogwirkung auf die Anbieter. Dass dabei die Qualität neuer Manager oft unterdurchschnittlich ist, spricht jedoch nicht gegen gute Hedge-Fonds.

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Absolute-Return-Fonds, die ja ebenfalls mit Hedge-Strategien arbeiten, haben jedoch 2007 teils kläglich abgeschnitten.

Maurer: Ein Fonds, der kläglich abschneidet, ist nie befriedigend. Meist stelle ich fest, dass mangels Kenntnis der Strategie oder geschürt durch übertriebene Renditeziele die Erwartungen der Anleger falsch sind. Der Wunsch, keine Verluste zu erleiden und trotzdem eine hohe Rendite zu erzielen, ist an und für sich ein Widerspruch.