Die Folgen der Hypothekenkrise in den USA halten die Finanzmärkte in festem Griff. Kommt es noch schlimmer?

Thomas Lips: Nach einer sehr langen Zinsrally und einer aussergewöhnlichen Kompression der Zinsspreads hat mit dem Ausbruch der Subprime-Krise eine Trendwende an den Kreditmärkten eingesetzt. Dabei handelt es sich aber viel eher um eine Rückkehr zur Normalität als um eine Kreditkrise. Noch können diese Anpassungsprozesse als notwendige technische Reaktion der Kapitalmärkte betrachtet werden. Aber die Risiken sind zweifellos gestiegen.

Finanzwerte spüren die Turbulenzen am Kreditmarkt heftig. Wie gross ist die Gefahr, dass es an den Börsen zu einer Angstspirale kommt?

Lips: Die Unsicherheit hat zur Folge, dass Anleger eine höhere Risikoprämie verlangen die Kurse von Aktien und risikobehafteten Obligationen fallen deshalb, selbst wenn die fundamentale Entwicklung intakt bleibt. Die Ängste könnten gerade wegen der Intransparenz der derzeitigen Entwicklungen länger anhalten oder sich noch verstärken.

Auch das Zinsumfeld bereitet Sorgen. Welche Entwicklungen erwarten Sie bis Ende 2007?

Lips: Europa und Amerika sind meines Erachtens nicht im Gleichschritt. Bis Ende Jahr wird die Europäische Zentralbank die Zinsen wahrscheinlich in zwei Schritten anheben. Die US-Notenbank steht vorderhand Gewehr bei Fuss. Wenn die Korrekturphase sich als technische Reaktion erweist, wird sie die Zinsen später eher erhöhen denn senken.

Investoren könnten versucht sein, die Korrektur für eine Schnäppchenjagd zu nutzen. Ist Zukaufen denn sinnvoll?

Lips: Die aktuelle Situation ist wohl noch nicht ausgestanden. Bei stark übergewichteten Aktienpositionen sollten Gewinne teilweise mitgenommen werden. Für bereits vorsichtig eingestellte Anleger eröffnen sich in nicht allzu ferner Zukunft Einstiegsmöglichkeiten.

Wo sehen Sie am Schweizer Aktienmarkt Einstiegschancen?

Lips: Von den Werten, die stark gelitten haben, sind ZFS und Helvetia zu empfehlen ihre Bewertung ist noch attraktiver geworden. Dasselbe gilt für Rieter. Holcim sollte von den zunehmenden Ausgaben im Infrastruktursektor profitieren, Nestlé von der höheren Kaufkraft in den Schwellenländern.