Was bedeutet die Krise für den Bankensektor?

Hans Geiger: Es wird weitere Banken geben, die in Schwierigkeiten geraten. In der Schweiz sehe ich aber keine Gefahr. Richtig betroffen scheint nur die UBS, und die kann die Verluste gut verkraften. Die CS scheint mit einem blauen Auge davongekommen zu sein, und reine Vermögensverwalter sowie Kantonal- und Regionalbanken sind nicht betroffen.

Was wird noch auf die Banken zukommen?

Geiger: Derzeit ist alles möglich. Wie viel die Finanzprodukte wirklich wert sind, weiss man definitiv erst, wenn die Probleme bei den US-Hypotheken gelöst sind. Das wird Jahre dauern. Ein Blick in die Wirtschaftsnachrichten und auch die Gesichter der Bankenvertreter lassen aber erahnen, dass es noch schlimmer werden dürfte. Vieles basiert auf dem Prinzip Hoffnung.
Beten ist heute die wichtigste Funktion der Risikomanager.

Doch welches Szenario ist für Sie am wahrscheinlichsten?

Geiger: In den nächsten drei bis sechs Monaten wird sich ein Sekundärmarkt entwickeln, wo die Finanzprodukte, für die es jetzt keine liquiden Märkte mehr gibt, zu Discountpreisen gehandelt werden. Solche Märkte haben sich immer entwickelt, wenn die Märkte ausgetrocknet waren.

Wird dieser Markt genügend Käufer anziehen?

Geiger: Es wird auf jeden Fall spekulative Käufer geben. Damit kommt der Handel neu in Schwung, was zur Entspannung an den Kreditmärkten beiträgt. Generell rechne ich aber damit, dass die Märkte in den nächsten Jahren selektiver werden und die Preise für die Kreditrisiken ansteigen.

So stark, dass es Folgen für die Realwirtschaft hat?

Geiger: Die teureren Kredite könnten bremsend auf die
Realwirtschaft wirken. Zudem besteht die Sorge, dass in den USA der Konsum abgewürgt wird.

Welche Lehren müssen aus der Kreditkrise gezogen werden?

Geiger: In den USA braucht es im Hypothekengeschäft eine massive Änderungen der Praxis. Zudem haben die Ratingagenturen und die Risikomodelle versagt. Auf diese beiden Methoden stützen sich die neuen Eigenkapitalvorschriften von Basel II.