Die Deutsche Bank kann nicht alle Mitarbeiter von ihrem ausgerufenen «Kulturwandel» überzeugen. Einige Händler kehrten dem Institut den Rücken, räumte der Co-Chef des Investmentbankings, Colin Fan, in einem am Montag veröffentlichten Interview mit der «Financial Times» (FT) ein.

Hintergrund sei, dass die Bank ihr Bonussystem umgestellt habe: Mitarbeiter, die zwar hohe Umsätze brächten, aber für Unruhe sorgten oder nicht teamfähig seien, bekämen keine Prämien oder Beförderungen mehr, erläuterte Fan. Diese Gruppe wandere dann eben ab. «Manche Leute sind ausschliesslich finanziell motiviert.» Sie gingen in weniger regulierte Bereiche und heuerten etwa bei Hedgefonds an. «Wir wünschen ihnen alles Gute. Es handelt sich um Leute, die wahrscheinlich eh nicht in die neue Bankenwelt passen.»

Kein Exodus

Wie viele Händler von Bord gegangen sind, welche Hierarchiestufen und Bereiche besonders betroffen sind, liess Fan in dem Interview offen. Nach Angaben eines Banksprechers handelt es sich nur «um eine Handvoll» Mitarbeiter, die abtrünnig geworden sind. Von einem Exodus, wie es die FT formulierte, könne keine Rede sein.

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Gerade die Investmentbanker bei den grossen Geldhäusern sind in der Finanzkrise in Verruf geraten. Nach Erkenntnissen der Regulierer weltweit haben Händler wichtige Referenzzinsen wie Libor und Euribor sowie Devisenkurse manipuliert, um Handelsgewinne einzustreichen.

Mühsame Aufarbeitung der Zins- und Devisenskandale

Das legen zumindest Beiträge in internen Chatrooms nahe, die die Aufseher durchforstet haben. Auch die Deutsche Bank ist in die Skandale um Tricksereien bei Zinsen und Devisen verstrickt. Die Aufarbeitung dauert an. Allerdings hatten die beiden Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen bereits bei ihrem Amtsantritt im Sommer 2012 erklärt, windige Geschäfte, die den Ruf der Bank zerstören, solle es nicht mehr geben. Die Kultur von Deutschlands grösstem Geldhaus müsse sich grundlegend ändern.

Auch Fan setzt sich dafür ein. Allerdings musste er in einem internen Video, das im Mai bekannt wurde, einräumen, dass es gerade in seiner Sparte noch Aufholbedarf gibt. In dem Video hatte er seine Leute aufgefordert, sich dringend an die neuen Spielregeln zu halten. Wer sich in der internen Kommunikation weiter im Ton vergreife, müsse mit «ernsten Folgen» für die Karriere rechnen.

Weitere Banker dürften Geldhaus verlassen

Einige Mitarbeiter blieben weit hinter den Standards zurück. Zu prahlen, indiskret oder vulgär zu sein, sei nicht in Ordnung, schimpfte Fan damals. Nun gehen offenbar die Ersten von Bord - nicht ganz unerwartet, wie aus Finanzkreisen verlautete. «Das dürfte sich auch in den nächsten Monaten fortsetzen», betonte ein Insider.

Im Zinsskandal wurde die Deutsche Bank von der EU-Kommission bereits zu einer Strafe von 725 Millionen Euro verdonnert. Strafen der angelsächsischen Regulierer in der Sache stehen noch aus. Finanzkreisen zufolge sind die Verhandlungen mit ihnen aber in die heisse Phase eingetreten, die Bank will sich mit den diversen Behörden gleichzeitig einigen und einen Schlussstrich ziehen.

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USA drängen auf Schuldeingeständnis

Nach einem Bericht des «Spiegel» dringen die US-Behörden neben einer Geldstrafe auch auf ein Schuldeingeständnis der Frankfurter, was Schadenersatzklagen den Weg bereiten könnte.

Insgesamt ist die Bank nach offiziellen Angaben in rund 1000 grössere Rechtsstreitigkeiten verwickelt. Die Vorsorge dafür lastet massiv auf der Bilanz und dürfte Insidern zufolge auch das dritte Quartal überschatten.

Die Bank hat mehrfach signalisiert, dass sich die Rückstellungen zum Jahresende auf etwa drei Milliarden Euro belaufen dürften, zum Halbjahr waren es 2,2 Milliarden. Eventualverbindlichkeiten sind da noch gar nicht eingerechnet. Nimmt man diese hinzu, könnten die Lasten sogar auf bis zu sieben Milliarden Euro steigen, berichtete der «Spiegel» unter Berufung auf das Umfeld der Bank.

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(reuters/ise/ama)