Mancher berufliche Aufstieg gelangt derzeit aufgrund der Rezession an einen toten Punkt. Keine Beförderungen mehr, Perspektive unklar, der Schalter des Karriereaufzugs steht auf «Stopp». Unternehmen sparen, kürzen ihre Personalbudgets und bauen Stellen ab.

In Zeiten unsicherer Aussichten in der Firma entscheidet sich mancher Berufstätige deshalb für eine Auszeit: «Sich für einen MBA einschreiben, an der Business School überwintern», beschreibt Heiner Thorborg den Schritt, der derzeit verbreitet ist. Der Personalberater besucht regelmässig die besten Managementschulen und macht sich ein Bild von der Lage. «Der MBA ist die Gelegenheit für einen Neustart der Karriere.»Aber was sollten Berufstätige bedenken, die diesen Schritt er-wägen? Die Entscheidung für einen MBA ist keine Kleinigkeit: Geld-, Zeit- und Energieeinsatz sind hoch. Ein Vollzeitprogramm kostet allein an Studiengebühren mehrere 10000 Euro, hinzu kommen die Kosten für Lebenshaltung und Lohnverzicht. Sind Rankings ein gutes Werkzeug für die Auswahl? Ist ein amerikanisches Angebot das richtige oder soll es ein europäisches sein?

Anerkannte Akkreditierung

Die verbreiteten MBA-Hitlisten bieten einen Anhaltspunkt. «Sie dienen der ersten Orientierung», sagt Dorothee von Canstein, Sprecherin der IESE Business School mit Campus in Barcelona und inMadrid. Viele Interessenten würden sich damit einen Marktüberblick verschaffen. Mit einem Ranking lasse sich schnell herausfinden, in welcher Liga eine Schule spiele. Ergänzend darf auch die Akkreditierung der Schule als Ausweis für Qualität angesehen werden. Die besten Managementschulen leisten sich drei Gütesiegel, Interessierte sollten auf die anerkannten Akkreditierungen von AACSB, AMBA und EQUIS achten.Auf allen Listen gelangen immer dieselben Institute in die Spitzengruppe. In Europa sind das IMD (in Lausanne), IESE, Insead (bei Paris) oder London Business School, in den USA Anbieter wie Harvard, Kellogg, Wharton oder University of Chicago.Ein weiteres wichtiges Kriterium für die Wahl: «Die Ausrichtung des MBA sollte mit den späteren beruflichen Plänen übereinstimmen», sagt Petra Garnjost, Direktorin des Luxemburger Ablegers des John F. Welch College of Business, eines Instituts aus den USA. Harvard und IESE zum Beispiel bieten ein General-Management-Studium an. Business Schools an den grossen Devisenschauplätzen orientieren sich primär am Bedarf der Finanzindustrie.«Auch die Grösse der MBA-Klasse sollte in die Entscheidung über die richtige Schule einbezogen werden», sagt Dorothee von Canstein. Wer die grosse Gruppe schätzt, findet in Harvard oder am Insead (je 900 Studenten) die Verhältnisse seiner Wahl. IESE nimmt dagegen nur 210 Studenten im Jahr auf, beim IMD umfasst die Klasse maximal 90 Studenten.

Anzeige

Professoren pro Fakultät

Auch die Dimension der Fakultät ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal: Grosse Managementschulen mit hohen Studiengebühren können sich viele Lehrkräfte leisten. Harvard hat 205 angestellte Vollzeit-Professoren, Insead 133, Stanford und IESE je 96. Anbieter aus der zweiten Liga sparen meist am teuren akademischen Personal - und bestreiten die Lehre mit Teilzeit- und Honorarkräften.Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Internationalität der Teilnehmer. «Je bunter die Zusammensetzung, desto mehr können die MBA-Studenten voneinander lernen», sagt Petra Garnjost. Die Anbieter mit Standort in Europa können hier mit einem Plus aufwarten: Am IMD etwa kommen bis zu 97% der MBA-Studenten nicht aus dem Heimatland des Anbieters, am Insead sind es rund 90%, an der IESE sind es über 80%. Amerikanische Institute sind wegen der Grösse ihres Heimatmarktes meistens von einheimischen Studenten dominiert: In Harvard sind nur 33% Studenten mit internationaler Herkunft eingeschrieben, in Wharton sind es 44%.