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Risikokapital
Gelingt die Feuerprobe für Schweizer Wagniskapital?

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500 Millionen für Wachstum: Johann Schneider-Ammann, Bundesrat und Schirmherr der Swiss Entrepreneurs Foundation. Quelle: Keystone

Trotz innovativen Startups und steigendem Investment-Volumen: Die Venture-Kultur in der Schweiz entfaltet sich nur langsam.

Von Marco Brunner
am 09.07.2018

Innovation und Ertrag. So simpel wie einleuchtend war das Motto am Treffen der Schweizerischen Vereinigung für Unternehmensfinanzierung (Seca) von dieser Woche. Die Aussicht auf ertragreiche Investments versetzt die Branche in Goldgräberstimmung. Die Fondsmanager und Anlageberater profitieren vom Nullzinsumfeld. 938 Millionen Franken flossen im letzten Jahr in hiesige Startups. Laut dem Swiss Venture Capital Report ist das doppelt so viel wie 2014.

Doch was nach einer Wende nach jahrelanger Tristesse aussieht, glänzt nur oberflächlich. Gut die Hälfte kam nämlich gerade mal sechs Unternehmen zugute. Rund eine halbe Milliarde also, verteilt auf eine Handvoll Startups. Für viele Startups bleiben die Zeiten hart. Zum Vergleich: 2017 wurden in den USA 85 Milliarden investiert. Trotz regelmässigen Podestplätzen im Innovationsranking bleibt die Schweiz ein Zwerg bei Venture Capital (VC).

«Von einer VC-Kultur in der Schweiz sind wir noch weit entfernt», sagt Daniel Wiener, Stiftungsrat von Pro Zukunftsfonds Schweiz, einer von mehreren Initiativen, die sich bemühen, das Schweizer VC- und StartupÖkosystem attraktiver zu machen und die Abhängigkeit von ausländischen Investoren zu mindern.

Vor der Lancierung wieder aufgegeben

Inzwischen unterstützt auch die Politik diese Bestrebungen. Bereits im Oktober 2016 präsentierten die Bundesräte Berset und Schneider-Ammann mit Vertretern von Pensionskassen, Banken und Fondsmanagern eine Absichtserklärung.

Damals wurden auch vier geplante Wachstumsfonds vorgestellt. Bloss: Von den vier Projekten musste eines vor Lancierung bereits wieder aufgegeben werden. «Wir hatten Mühe, das Geld zusammenzukriegen», sagt Hans van Swaay, Partner bei der Private-Equity-Firma Lyrique und Mitunterzeichner der Erklärung. Ursprüngliches Ziel war, 200 Millionen Franken zu äufnen. Dass er gescheitert ist, führt van Swaay nicht zuletzt auf das zaghafte Engagement der Pensionskassen zurück. Diese würden das Thema Risikokapital immer noch scheuen.

Michael Sidler, bei Seca im Vorstand und selber mit mehreren Venture Fonds von Redalpine Venture Partners als Investor im Markt, verortet das Problem aber auch bei den Initianten: «Viele Konzepte erscheinen noch unausgegoren.» Die Projekte würden häufig von Bankmanagern mit Private-Equity-Vergangenheit lanciert. Und diesen fehle schlicht die nötige VC-Erfahrung.

Mehr als nur Imagepflege der Grossbanken?

Doch auch beim ambitioniertesten Projekt für einen Wachstumsfonds sollen Banker den Lead übernehmen. Unter der Schirmherrschaft von Johann Schneider-Ammann verwalten dereinst UBS und CS die Swiss Entrepreneurs Foundation. Die Startup-Szene kritisiert, dass es sich hierbei um ein politisches Konstrukt handle und es vor allem um Imagepflege der Grossbanken gehe.

UBS hat tatsächlich keinen grossen Trackrecord, was VC betrifft, CS mit den Vehikeln SVC und Helvetica Capital ist seit 2010 im Markt präsent. Wie ernst es die beiden Banken meinen, wird sich im Frühjahr 2019 zeigen. Dann soll der 500-Millionen-Fonds stehen.

Ohne Patronat kommt die Zürcher Kantonalbank aus. Dafür setzt sie auf die Spezialisten der Online-Plattform Investiere.ch. Ziel: ein 150-Millionen-Wachstumsfonds. Ebenfalls bis Anfang 2019.

Es wird sich zeigen, welche Projekte in den kommenden Jahren erfolgreich durchstarten. Die Abhängigkeit von ausländischen Investoren wird wohl oder übel bleiben.

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