Alle Hochschulabgänger sind von der Wirtschaftskrise zwar betroffen, doch sie macht noch lange nicht allen Absolventen gleich zu schaffen, wie mehrere Karrierezentren von Universitäten in der Schweiz auf Anfrage der «Handelszeitung» erklären. Die einen Studenten schätzen ihre Arbeitsmarktchancen deutlich gedämpfter als noch vor einem Jahr ein. Die anderen Studenten machen sich keine gewaltigen Sorgen.

Zum Beispiel bei den Hochschulabgängern der Universität Basel scheint die Angst bezüglich gesunkener Arbeitsmarktchancen nicht gerade umzugehen, so Birgit Müller, Geschäftsführerin Career Service Center der Universität Basel. Es sieht fast so aus, als sei die Wirtschaftskrise momentan kaum ein Thema bei den Studierenden der Betriebs- und Wirtschaftswissenschaften.

An der Universität St. Gallen tappt man diesbezüglich noch etwas im Dunkeln. Dort haben die letzten Absolventen ihre Bachelor- und Master-Diplome ungefähr zeitgleich mit dem Übergang der Finanzmarkt- in eine Wirtschaftskrise erhalten. Inwieweit sich die Situation heute verändert hat, ist schwer zu sagen, so Thorsten Thiel, Direktor Career Service Center der Universität St. Gallen. Die nächsten Abschlussfeiern finden erst in sechs Monaten statt. Doch schon vor einem halben Jahr bezeichneten 10% der Master-Absolventen ihre Arbeitsmarktchancen als «schlecht» oder «sehr schlecht». Und 35% nannten sie «mittelmässig».

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Ebenfalls noch keinen allzu konkreten Blick in die Zukunft wagt die Universität Zürich, so Roger Gfrörer, Leiter Career Service Center. Für das 2. Quartal des Jahres sind neue Umfragen geplant. Auch eine Standortbestimmung, wie die Studierenden mit der für sie neuen Situation umgehen, ist in Vorbereitung. Die Universität Zürich versucht bei Anfragen, alternative Handlungsstrategien anzugeben, trotzdem melden sich nicht enorm viele Studenten explizit wegen der Wirtschaftskrise. Der Hauptteil der Anfragen bezieht sich wie gewohnt auf Unterstützung in Entscheidungsfragen.

Es macht den Anschein, als ob viele Studenten noch immer die fetten Jahre im Kopf haben, als die Jagd auf die klugen Köpfe ein Ausmass angenommen hatte, das heute fast nicht mehr vorstellbar ist. Trendforscher David Bosshart, Direktor des Gottlieb Duttweiler Institute (GDI), mahnt wohl nicht zuletzt deshalb zu einer «ruhigen Generation wie schon vor 60 Jahren, die viel vorsichtiger agiert als die verwöhnten Schönwetterkapitäne, die in den letzten Jahrzehnten die Hochschulen verlassen haben».