Die Inder kommen: Dr. Reddy's Laboratories, Hyderabad, hat die Zweigstelle Basel ins Handelsregister eingetragen. Der Leiter der Schweizer Niederlassung, Mark Goldsworthy, ist derzeit auf Reisen und nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

Auch Ranbaxy will in den Schweizer Markt eintreten, wie das Unternehmen im Februar dem Schweizer Fernsehen erklärte. Das sind wohl keine leeren Worte, denn beide indischen Firmen befinden sich derzeit auf einer beispiellosen Shopping-Tour durch Europa. Kaum ein Monat vergeht, ohne dass sich Ranbaxy und Dr. Reddy's auf dem Alten Kontinent nicht eine Generikafirma einverleiben. Denn hier sind die Margen noch komfortabel im Gegensatz zum hartumkämpften US-Markt.

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Teva aus Israel bereits aktiv

Auch ein anderer grosser Generika-Player nimmt den Schweizer Markt ins Visier: Die israelische Teva, weltweit die Nummer zwei, akquirierte unlängst das Familienunternehmen Medika bei Basel und hat dieses per 1. April in Teva Pharma umfirmiert. Bereits im März führte Teva ihre generische Onkologika-Palette ein.

Das Interesse am Schweizer Markt ist verständlich: Die Generikadurchdringung ist noch vergleichsweise tief, aber in rasantem Wachstum begriffen: Allein in den ersten beiden Monaten dieses Jahres hat der Verkauf von Generika um 50% zugenommen. Der Marktanteil der Nachahmermedikamente stieg sprunghaft von 8 auf 12%. Das kommt nicht von ungefähr: Ab April dieses Jahres zahlen Patienten den doppelten Selbstbehalt, wenn sie sich ein Originalmedikament verschreiben lassen, obwohl es ein günstigeres Nachahmerprodukt gibt.

Die Parallelen zwischen der Ausgangslage im Generika- und im Detailhandelsmarkt sind frappant: Es gibt in der Schweiz zwei grosse Player, Mepha und Sandoz (Novartis), die sich wie Migros und Coop den Löwenanteil des Marktes aufteilen: Sie kontrollieren zusammen 72% des Marktes für Nachahmerprodukte und überbieten sich derzeit mit teuren Werbekampagnen. «Die dritte Kraft ist Spirig», sagt deren Chef, Christian Pflugshaupt, in Anlehnung an Denner. Spirig Pharma hat einen Marktanteil von 11%.

Schwierige Bedingungen

Die Parallele lässt sich weiterziehen: Wie Aldi und Lidl, die den Schweizer Markt aufmischen wollen, aber nicht so recht Tritt fassen können, dürften auch Dr Reddy's, Ranbaxy, Teva und andere Neulinge schwierige Bedingungen vorfinden: «Es ist nicht einfach, in die Apotheke zu kommen», sagt Pflugshaupt. Dieser Absatzkanal sei heute schon übersättigt, und ein Apotheker halte neben dem Originalprodukt maximal zwei Nachahmermedikamente an Lager. «Es braucht mindestens 30 Produkte, um sich überhaupt einen Vertriebskanal erschliessen zu können», sagt Schweizerhall-Chef Luzi Andreas von Bidder. Ausländische Generikahersteller, die nicht von Beginn weg über eine stattliche Produktepalette verfügten, könnten in der Schweiz gar nicht loslegen.

Zudem: Die beiden Marktführer sitzen sehr fest im Sattel: Mepha, zu deren Aktionären die deutsche Familie Merckle gehört, die wiederum Ratiopharm kontrolliert, profitiert von der Zusammenarbeit mit der bedeutenden deutschen Generikafirma. Novartis, die im Zuge der Milliarden-Akquisition der deutschen Hexal die hiesige Firma Ecosol übernommen und mit den eigenen Generikaaktivitäten fusioniert hat, besitzt in der Schweiz mit der wieder belebten Marke Sandoz einen Wiedererkennungswert, um den sie die Konkurrenten beneiden.

Der einfachste Weg für die Inder, einen Zugang zu den Absatzkanälen zu erhalten, wäre jener, den bereits Teva beschritten hat: Eine Akquisition. Zudem kann es nicht schaden, über eine etablierte Marke zu verfügen. Denn «Made in India» flösst den Konsumenten wohl nicht viel Vertrauen ein.

Ein internationales Geschäft

Sowohl Spirig als auch Streuli bestätigen, hin und wieder Übernahmeangebote zu bekommen. Für beide Firmen ist aber klar, dass sie nicht verkaufen wollen. Ein anderer mittelgrosser Player, Helvepharm, ist bereits vergeben: Er gehört dem deutschen Unternehmen Stada und der Schweizer Internet-Apotheke zur Rose.

Aber es sind denn auch die unabhängigen Unternehmen, die Grund zur Sorge haben: «Wir produzieren hier in der Schweiz wie andere mittelgrosse Generikaanbieter auch», sagt Claudia Streuli, CEO von Streuli-Pharma. «Wenn der Wettbewerb voll über den Preis geführt wird, müssen wir uns konzeptionell neu orientieren.» Die Produktion zu verlagern, sei derzeit aber kein Thema, so Streuli.

Erfolg ist wahrscheinlich

Für die Ausländer wird es zwar schwierig sein, Tritt zu fassen. Doch dass sie längerfristig Erfolg haben, scheint wahrscheinlich. Es ist sinnvoll, das Generikageschäft international zu betreiben. Um von den Behörden die Zulassung zu einem lokalen Markt zu erhalten, muss man die Dossiers kaum verändern. «Eine Zulassung in der Schweiz dauert ein Jahr und kostet ein paar zehntausend Franken», sagt ein Marktexperte. Das ist nicht wirklich eine grosse Eintrittsbarriere.

Generikatagung

Generika oder Originalpräparate? Im Rahmen der hochkarätig besetzten EUROFORUM-Jahrestagung vom 1./2. Juni 2006 wird die Frage erörtert, was für und gegen den vermehrten Einsatz von Generika spricht und ob dies zu einer Effizienzsteigerung im Schweizer Gesundheitswesen führt. Unter der Leitung von Kurt Aeschbacher diskutieren u.a. Dr. Hans Heinrich Brunner, Prof. Dr. Thomas F. Lüscher, Willy Oggier, Marc-André Giger, Simonetta Sommaruga, Prof. Dr. Beda M. Stadler, Andreas Bosshard, Christoph Stoller und Stefan Wild. Weitere Angaben zur Veranstaltung finden Sie unter www.euroforum.ch oder Tel. 044 288 94 53.