Ungemach für Westschweizer Badetouristen. Wer seinen Ferienflug ab Genf nach Ägypten oder auf die Kanarischen Inseln bereits gebucht und ein Flugticket der Airline Baboo gelöst hat, sollte die Koffer noch nicht packen. Baboo ist ins Trudeln geraten und hat alle Charterflüge für die Wintersaison, die von November bis April dauert, annulliert. Eine Maschine des Typs Embraer 190 wird per Ende Oktober stillgelegt. Vorerst im Einsatz bleiben zwei weitere Embraer 190 und zwei Maschinen des Typs Dash, die Linienflüge absolvieren.

Veranstalter mit Ersatzflügen

Der Baboo-Teilrückzug hat direkte Folgen für Reiseveranstalter, die Fixplätze auf den Charterrotationen reserviert haben. Neben ein paar kleineren Anbietern aus der Westschweiz sind dies vor allem Kuoni und Hotelplan. Sie müssen ihre schon gebuchten Kunden informieren und Alternativen anbieten. Bei Hotelplan sind davon 500 Personen betroffen. «Wir haben unseren Baboo-Kunden eine Reisemöglichkeit ab Zürich angeboten», sagt die Sprecherin Prisca Huguenin. Das sei kein Problem, weil für die betroffenen Destinationen Sharm-el-Sheikh, Hurghada, Gran Canaria und Teneriffa die Ersatzflüge ab Zürich am gleichen Reisetag stattfinden. Die Umbuchung erfolgt kostenfrei. «Falls die Anreise von Genf nach Zürich zeitlich knapp sein sollte, offerieren wir den Gästen gratis eine Hotelübernachtung oder ein Taxi», so Huguenin. Wer nicht mehr reisen wolle, könne kostenfrei annullieren.

Wie Hotelplan hat auch Kuoni bei Baboo für die gesamte Wintersaison rund 2000 fixe Plätze auf den Ferienflügen nach Ägypten, Gran Canaria und Teneriffa reserviert. Anders als die Migros-Reisetochter schickt Kuoni ihre gestrandeten Gäste aber nicht nach Zürich, sondern sucht alternative Flugmöglichkeiten am gleichen Tag ab Genf. Für die Kunden werde sich nur die Fluggesellschaft ändern, sagt Kuoni-Sprecher Peter Brun. «Deshalb besteht auch keine Annullationsmöglichkeit.» Zu den Kosten, die aus dem Umbuchungsprozedere entstehen, möchten sich weder Kuoni noch Hotelplan äussern. Branchenkenner rechnen mit einigen 100 000 Fr., welche die Veranstalter für diese Aktion rückstellen müssen.

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Treffen mit Investoren

Das weitere Schicksal von Baboo entscheidet sich derweil in den nächsten Tagen. Anlässlich eines Meetings am 30. September mit der Chefetage von M1 Travel Ltd, der libanesischen Hauptinvestorin von Baboo, wird das tatsächliche Ausmass der bevorstehenden Restrukturierung bekannt. Baboo ist in den letzten Jahren zwar gewachsen, hat 2009 über 400 000 Passagiere befördert und 73 Mio Fr. Umsatz erzielt. Für das laufende Jahr erwartet CEO Mark Darby keine wesentlichen Einbrüche beim Umsatz. Trotzdem fliegt die Airline, welche 2003 als Folge der Einstellung der Strecke Genf-Lugano durch Swiss gegründet wurde, noch immer weit von der Gewinnzone entfernt.

Mark Darby sieht dem Treffen mit den libanesischen Investoren mit gemischten Gefühlen entgegen. «Wir müssen unseren Betrieb ziemlich sicher ganz neu ausrichten», glaubt er. Anzunehmen ist, dass Baboo ihr Netz von bisher 17 europäischen Destinationen stark ausdünnen und sich auf die rentabelsten Strecken - vor allem nach Frankreich und Italien - konzentrieren muss. Betroffen sind vom Abbau auch die Angestellten. Wie viele der 180 Arbeitsplätze den Sparmassnahmen zum Opfer fallen, will Darby noch nicht sagen. Ein bevorstehendes Grounding von Baboo schliesst er indes aus.