Bald könnte ein neuer Anbieter den Wettbewerb im Online-Aktienhandel beleben. Das Genfer Unternehmen ACM, einer der weltweit führenden Online-Händler von Devisen und Edelmetallen plant ,die bestehende Internet-Plattform für weitere Produkte zu öffnen. «Wir bereiten uns momentan auf die mögliche Umsetzung des Aktienhandels vor», so Nicholas Bang, operativer Chef und eines der drei Gründungsmitglieder von ACM. Bang sieht im Aktienhandel grosses Potenzial. Gegen Ende dieses Jahres soll der Service lanciert werden, sofern die Finma den Antrag auf eine Banklizenz gutheisst.

ACM hat im März den Antrag auf eine Banklizenz eingereicht. Der Schritt wäre ohnehin notwendig gewesen, da alle Schweizer Devisenhändler in Zukunft über eine Banklizenz verfügen müssen. Vertreter von Online-Brokern begrüssen das, weil nun auch Internet-Devisenhändler mit den regulatorischen Bedürfnissen und den entsprechenden Kosten einer Bank konfrontiert sind. «Wir haben bereits 2005 mit den notwendigen Vorbereitungen für die Banklizenz begonnen», so Bang. «Wir sind daher bereits heute wie eine Bank aufgestellt.»

Heiss umkämpfter Markt

Der Markt der Online-Broker ist bereits heftig umkämpft. Mehr als zehn Anbieter werben um investitionsfreudige Kunden. Der Branchenleader Swissquote verfügt über den grössten Anteil am wachsenden Markt (siehe «Nachgefragt»).

Derzeit sind etwa 220000 Schweizer im Online-Aktienhandel aktiv, 120 000 davon bei Swissquote. Der Branchenprimus will weiter zulegen: CEO Marc Bürki erwartet einen Zuwachs von rund 100000 Kunden. In der Branche wird von einem Kundenpotenzial von rund 420000 aktiven Tradern ausgegangen. Wobei ein Kunde etwa 30 Geschäfte pro Jahr durchführt. Der Raum für zusätzliche Konkurrenten ist daher begrenzt.

Den Vergleich mit anderen Instituten will man bei ACM nicht scheuen. «Wir wollen nicht nur bei den minimalen Gebühren die günstigsten sein, sondern im gesamten Preisspektrum kompetitiv sein», sagt Bang.

Bisher wurde ACM in der Deutschschweiz kaum wahrgenommen. In der Westschweiz gilt das Unternehmen jedoch als äusserst innovatives und etwas extravagantes Start-up.

ACM beschäftigt rund 200 Angestellte und versteht sich als globales Unternehmen. Mit der Neueröffnung des Büros in Zürich unterstreicht ACM die Bedeutung des gesamten deutschsprachigen Marktes.

Weitere Büros sind in New York und Dubai. Niederlassungen etwa in London und in Asien sind denkbar, meint Bang.

Die internationale Ausrichtung des Devisenhändlers sorgt dafür, dass heute nur etwa 5% der rund 20000 ACM-Kunden aus der Schweiz stammen. Das soll sich jedoch ändern. «Immer vorausgesetzt, dass wir die Banklizenz erhalten und dadurch auch ande-re Produkte anbieten können, wird der Deutschschweizer Raum enorm wichtig für uns sein», sagt Bang.

ACM ist mit ihren Bestre-bungen nicht allein: Erst vor wenigen Wochen eröffnete die belgische Keytrade Bank, eine Tochter der Crédit Agricole, in Genf eine Niederlassung und versucht, mit tiefen Gebühren auf dem Schweizer Online-Broker-Markt Fuss zu fassen.


Nachgefragt

«Ich wette auf eine MarktKonsolidierung»
Marc Bürki ist CEO der Swissquote Bank.

Sehen Sie Platz für weitere Konkurrenten im Online-Brokerage?

Marc Bürki: Auf dem Schweizer Markt herrscht bereits jetzt ein starker Wettbewerb. Es gibt über zehn aktive Anbieter. Die Lage an den Aktienmärkten ist zudem ungünstig, ich würde daher eher auf eine Konsolidierung wetten.

Erwarten Sie Verschiebungen durch einen neuen Anbieter?

Bürki: Es hat sich im Ranking der bestehenden Konkurrenten seit Monaten nicht viel geändert und es wird daher für einen Newcomer nicht einfach sein.

Besteht bei den Trading-Gebühren noch Spielraum?

Bürki: Die Preise sind bereits kompetitiv und ich glaube nicht an einem Preiskampf. Der Markt in der Schweiz ist dafür zu klein.

Werden sich Kunden durch tiefere Gebühren abwerben lassen?

Bürki: Gebühren sind nur ein Teil der Dienstleistungsqualität und Swissquote ist bei vielen Anlageprodukten Preis-Leader.

Halten Sie an ihrem Ziel von rund 100 000 zusätzlichen Kunden fest?

Bürki: Ja, absolut. Dabei spielen unser Marktpotenzial, unsere Dienstleistungspalette und der heutige Marktanteil eine Rolle.

Der neue Konkurrent stammt aus dem Devisenhandel. Wie erfolgreich ist ihre Forex-Plattform?

Bürki: Wir sind sehr zufrieden mit dem Produkt.

Planen Sie weitere Neuerungen?

Bürki: Ja, wir werden Ende Juli neue Produkte bekannt geben.

Wie steht es um ein mögliches Auslandsengagement von Swissquote?

Bürki: Dazu kann ich noch keinen Kommentar geben.

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