Weisswein zu Fisch, Geflügel und hellem Fleisch, Rotwein zu Wild, rotem Fleisch und Käse, Süsswein zu Panettone oder - solls ganz exklusiv werden - zu Gänseleber. Nach wie vor hält sich dieses ungeschriebene Gesetz traditioneller Tafelsitten. Aber machen diese Dogmen wirklich Sinn, wenn es um die Mariage von Küche und Keller geht? In einer Welt, die heute mehr denn je Richtung Individualität steuert, die aber unzähligen globalen Einflüssen und Tendenzen ausgesetzt ist und die es uns ermöglicht, morgen schon auf dem Teller zu haben, was heute irgendwo im Nordatlantik gefischt oder im Frühling der südlichen Hemisphäre als tropische Frucht geerntet wird? Müssen wir uns - als private Gastgeber zur Tafelrunde mit Freunden ebenso wie zu Tische im Sternerestaurant - wirklich an diese alten Zöpfe halten? Nein. Opposition lohnt sich. Der Genuss verdient mehr Freiheit, dies in einer Zeit, die uns mehr und mehr einzuschränken versucht. Raucher, das ist in den letzten Monaten vor Restaurants augenfällig geworden, werden ausgegrenzt und zum Paffen auf die Strasse verbannt; auch die Genussraucher, die ein gutes Essen mit einer Cigarre abrunden, werden zu potenziellen Kettenrauchern abgestempelt und vor die Türe gesetzt. Und wer sich nach dem Dinner einen Digestif gönnt, wird scheel angeschaut - auch dann, wenn er sich längst ein Generalabonnement und damit den öffentlichen Verkehr gönnt. Genuss, so scheint es heute, hat die Stufe des Verbotenen erreicht.

Wir sollten uns auflehnen gegen allzu Puristisches. Liberalisieren wir unser Verhältnis zu Küche und Keller, ehren wir den individuellen Genuss. Klar, es gibt Verbindungen, die der Schulweisheit eines jeden Studenten einer Hotelfachschule widersprechen; bewusst sollten wir uns, geht es um kulinarische Neuentdeckungen, von Fachleuten beraten lassen. Aber wieso soll ein leichter Schweizer Rotwein, ein Rosé vielleicht, nicht zu einem Thai-Curry passen? Anstelle von Tee oder Bier. Eigentlich braucht es keine wissenschaftliche Abhandlung, was zu was passt. Lassen wir einfach unseren Gaumen sprechen und lösen wir uns vom Druck, uns stur an das zu halten, was uns Sterneköche und Weinpäpste als Lehrmeinung zu implementieren versuchen. Lösen wir uns auch von den Punktelisten der Parkers und Co., geht es um die Einstufung von Weinen. Zu oft geben wir uns beim Genuss noch unmündig. Dabei wäre es doch so einfach. Wir kombinieren, was uns schmeckt - und wir geniessen, was uns passt. Dazu braucht es keine Vorschriften. Vielleicht aber etwas Mut, gegen Konventionen anzutreten. Wetten, dass das viel mehr Spass macht.