Die Bankenkrise hat die Nerven der Investoren an der Börse etwas strapaziert. Ist jetzt der richtige Zeitpunkt für einen Börsengang?
Geoffrey Scott: Die Anleger sind derzeit tatsächlich etwas unruhig. Wir sind allerdings der Auffassung, dass unser Unternehmen Anklang bei den Anlegern finden wird.

Welche Signale haben Sie in den Vorgesprächen mit interessierten Investoren erhalten?
Scott: Das Interesse in der Finanzgemeinde an unserem Unternehmen ist sehr gross, darüber freuen wir uns natürlich sehr. Ich denke, wir können den Investoren eine attraktive Anlagemöglichkeit bieten.

In Branchenkreisen wird Uster Technologies bereits als Übernahmekandidat gehandelt.
Scott: Jedes attraktive Unternehmen ist grundsätzlich ein Übernahmekandidat, also auch wir.

Welche Pläne haben Sie? Soll Uster Technologies unabhängig bleiben?
Scott: Auf jeden Fall. Ich sehe noch viel Wachstumspotenzial, das wir ausschöpfen wollen.

Der Free Float wird nach dem Börsengang bei 54 bis 60% liegen. Wer hält die übrigen Anteile?
Scott: Unsere Hauptaktionärin ist die Private-Equity-Gesellschaft Alpha Beteiligungsberatung, die nach dem IPO - je nach Verlauf - zwischen 30 und 36% halten wird. Ich halte 2,72%, weitere 6,83% befinden sich in den Händen des Uster-VR und des Managements. Zusammen werden wir eine Aktionärsgruppe bilden.

Wie lange bleiben Sie investiert?
Scott: An dieser Konstellation wird sich aufgrund von Lock-Up-Verträgen kurzfristig nichts ändern. Alpha hat eine Verkaufssperre von 180 Tagen unterzeichnet, der Verwaltungsrat und die Konzernleitung halten die Titel mindestens 360 Tage.

Uster Technologies bewegt sich im Hochpreissegment. Nun lancieren Sie günstigere Produkte für den lokalen asiatischen Markt. Gefährden Sie damit Ihre hohe Marge?
Scott: Nein. Unsere Ebita-Marge von 27,9% per Ende Juni 2007 wird nicht unter dem Vorstoss in ein neues Preissegment leiden. Wir können die Produkte mit derselben Rendite absetzen wie diejenigen im Hochpreissegment. Die beiden Produktgruppen richten sich an verschiedene Märkte und Kundenbedürfnisse.

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Wie viel organisches Wachstum wollen Sie mit den günstigeren Produkten generieren?
Scott: Wir erwarten mittelfristig ein zweistelliges Umsatzwachstum, solange der Umsatz auf tiefem Niveau ist.

Welche Wachstumschancen sehen Sie für das angestammte Geschäft?
Scott: Hier rechnen wir mittelfris­tig mit einer Wachstumsrate im einstelligen Prozentbereich.

Das ist vergleichsweise wenig. Wie hoch ist Ihr Weltmarktanteil?
Scott: Rund 50%. Das erklärt die Wachstumsraten im traditionellen Geschäft - und gleichzeitig den Einstieg in neue Märkte.

Wachsen können Sie auch mit Akquisitionen.
Scott: Wir haben derzeit keine Akquisitionspläne, da wir über hervorragende organische Wachstumschancen verfügen. Aber wir prüfen Gelegenheiten, wenn wir welchen begegnen.

Ihre Kunden, Textilmaschinen­bauer wie Rieter und OC Oerlikon, erwarten ab 2008 eine leichte Abkühlung. Was heisst das für Sie?
Scott: Wir werden nur wenig davon betroffen sein. Denn neben den bestehenden Kunden aus dem Maschinenbau existiert eine riesige Installationsbasis in Asien, deren Besitzer ein steigendes Bedürfnis nach Qualitätskontrolle haben. Das ist ein riesiger Markt für uns.

Der Markt spielt also in Asien.Warum leisten Sie sich trotzdem eine Produktionsstätte in den USA?
Scott: Ja, der nordamerikanische Textilmarkt hat schwere Zeiten hinter sich. Aber wir unterhalten eine langjährige Beziehung mit dem US-Department of Agriculture, ein sehr wichtiger Kunde. Unser Technologiezentrum in den USA wird deshalb auch in Zukunft Teil unserer Strategie bleiben.

Uster ist nicht mehr das Zentrum des textilen Universums. Gibt es Pläne, Ihren Sitz zu verlegen?
Scott: Nein. Sonst hätte ich Prob­leme, unsere heutige Corporate Identity glaubwürdig zu vertreten.