In China gilt 2007, das Jahr des Schweins, als besonders Glück bringend. Das muss auch die Führungsriege des Grosszulieferers Georg Fischer (GF) mitbekommen haben: Für die jährliche Konzernkonferenz liess GF sein weltweites Kader auf die südchinesische Tropeninsel Hainan fliegen – ein Novum, trafen sich die GF-Chefs doch noch nie ausserhalb Europas.

Der China-Trip zeigt, wo GF mit gut 4 Mrd Fr. Jahresumsatz und Sitz in Schaffhausen seinen Schwerpunkt legt. Asien ist einer der Topmärkte von GF, das starke Wachstum der Schwellenländer im Mittleren und Fernen Osten lässt den Konzern florieren. Die Bank Vontobel erwartet denn auch positive Halbjahresresultate, die GF am kommenden Dienstag vorlegen wird: Der Umsatz soll bei 2,1 Mrd Fr., die Betriebsmarge bei 8,8% liegen.

Life-Sciences-Märkte im Visier

Besonders positiv sind die Aussichten für die Rohrleitungssparte GF Piping Systems. Die Division will Metallprodukte zunehmend durch Kunststoffe substituieren. Plastikteile sind günstiger herzustellen, weisen denselben Sicherheitsstandard auf (Stichwort Gasleitung) und können einfach angewandt werden – ein wichtiges Argument in Schwellenländern, wo Arbeitnehmer oft ungenügend ausgebildet sind.
Innerhalb der Subbereiche Industrie, Haustechnik und Versorgung will die Sparte weitere Märkte öffnen und dabei als Systemanbieter auftreten. Man versuche, margenstarke Nischen zu besetzen, etwa im Life-Sciences-Bereich, erfuhr die «Handelszeitung» im Juni am Rande eines Medienanlasses in Schaffhausen. Dies, um auch den harten Wettbewerb in den Industriestaaten zu bestehen. «In Spitälern etwa werden Spezialsysteme benötigt, zum Beispiel für die Zufuhr von hochreinem Wasser zu Operationssälen», heisst es.
Um Wachstumsmärkte rascher öffnen zu können, hat der Konzern im Februar Akquisitionen angekündigt. Diese lassen allerdings auf sich warten, was an den hohen Transaktionspreisen liegt. Zudem steht die Sparte nicht unter Druck: Dank hervorragender Konjunktur sollte der Umsatz bei über 500 Mio Fr. liegen, die Betriebsmarge kann auf über 12% klettern.
Die Konjunktur verhilft auch den beiden anderen Sparten zu Höhenflügen. GF Agie Charmilles profitiert mit ihren Systemlösungen für Werkzeugmaschinen vom weltweit boomenden Maschinenbau. Einzig in den USA flacht das Wachstum spürbar ab, das zeigen übereinstimmend mehrere Konjunkturbarometer. Für GF Agie Charmilles, die die Produktionsverlagerung ihrer Kunden nach Osteuropa und Asien bewältigt hat, kein Grund zur Sorge. Im 1. Halbjahr 2007 dürfte die Sparte einen Umsatz von gegen 580 Mio Fr. erzielen und eine Betriebsmarge von gegen 8% generieren.

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GF-Kunde Chery kommt voran

Gut positioniert ist auch die umsatzstärkste Konzerndivision GF Automotive. Vor allem in Asien. Dank einer eigenen Giesserei in China – eine zweite soll 2009 in Betrieb gehen – können die dort produzierten Gussteile zügig geliefert werden. Besonders vielversprechend entwickelt sich der GF Automotive-Kunde Chery, den die Schweizer mit Motorblock- und Zwischenteilen versorgen: Chery, der 2006 rund 190000 Fahrzeuge produzierte, unterzeichnete kürzlich eine Kooperation mit dem US-Hersteller Chrysler. Ziel ist die gemeinsame Produktion von Kleinwagen für den Export nach Lateinamerika und Osteuropa. Auch in Nordamerika, wo GF Automotive eine eigene Giesserei betreibt, stehen die Zeichen auf Wachstum. Besonders für Leichtmetallteile: Seit die Klimadebatte auch die USA erfasst hat, verlangen Kunden vermehrt Benzin sparende und damit leichtere Fahrzeuge.
Im 1. Halbjahr dürfte die Sparte einen Umsatz von gut 1 Mrd Fr. und eine Betriebsmarge von knapp 8% erreichen.