Der Industriekonzern Georg Fischer (GF) würde vor dem Hintergrund der Frankenstärke gerne die Arbeitszeit in Schweizer Betrieben um 2,5 Stunden pro Woche erhöhen. Dafür müssten jedoch laut Gesamtarbeitsvertrag (GAV) die Gewerkschaften dem Schritt  zustimmen - und die  lehnen Verhandlungen ab.

Besonders der Juli und der August mit den starken Schwankungen im Umtauschkurs Euro-Franken hätten Georg Fischer unter Druck gesetzt, sagte Konzernsprecher Urs Frei. Das weltweit tätige Unternehmen, das Rohrleitungssysteme, Autoteile und Werkzeugmaschinen herstellt, sieht wegen der Währungskrise seine Wettbewerbsfähigkeit herausgefordert.

Die Gewerkschaften sagen, die entsprechenden Regelungen im GAV liessen eine längere Arbeitszeiten nicht zu und verweisen zudem auf den GF-Halbjahresabschluss, der überdurchschnittlich gut ausgefallen sei. Ausserdem sei die Auslastung in den GF-Fabriken weiterhin gut.

Längere Arbeitszeiten würden die Arbeitnehmer 6,5 Prozent ihres Lohnes kosten, teilte die Gewerkschaft Syna mit. Zu einer «Gewinnmaximierung auf Kosten der Mitarbeiter» wollten auch die Arbeitnehmervertreterinnen Unia und Angestellte Schweiz nicht Hand bieten.

Einzelheiten nicht bekannt

In der GF-Sparte Rohrleitungssysteme soll die Arbeitszeit an den Standorten Schaffhausen, Seewis GR, Sissach BL und Subingen SO erhöht werden. Auch Angestellte in der Schaffhauser Zentrale sollen länger arbeiten. Nähere Einzelheiten sind nicht bekannt.

Nach einem Vorgespräch in der vergangenen Woche haben Syna, Unia und Angestellte Schweiz am Dienstag offizielle Verhandlungen darüber aber abgelehnt. «Wir bedauern dies sehr», sagte GF-Sprecher Frei.

Die GF-Arbeitnehmervertretung habe sich davor aber für eine Arbeitszeitverlängerung ausgesprochen, so Frei. Die Konzernleitung hoffe, dass dies bei den Gewerkschaften beachtet werde und es doch noch zu Verhandlungen komme.

Weniger Ferien

Bei der Werkzeugmaschinen-Tochter Agie Charmilles hat GF die Arbeitszeit bereits von 40 auf 43 Stunden erhöht, was bis maximal zwei Jahre andauern kann. Laut Frei stimmten rund 80 Prozent der Arbeitnehmer diesem Schritt zu. Verhandlungen mit den Gewerkschaften schrieb das Prozedere dort nicht vor.

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Diese Arbeitszeitverlängerung betrifft die Standorte Losone TI, Genf, Nidau bei Biel BE und Luterbach BE. Mitarbeiter ohne festgeschriebene Wochenarbeitszeit und Kader müssen mit kürzeren Ferien auskommen.

Ein Zeitkonto, über das Mitarbeiter Wochenstunden später wieder einziehen können, sieht Georg Fischer nicht vor. Es sei aber vereinbart worden, dass die Massnahme immer wieder überprüft und bei bestimmten Wechselkursen sofort wieder aufgehoben würde, sagte Urs Frei.

(laf/tno/awp)