Das Projekt ist geheim. Es schmerzt die Manager von Georg Fischer (GF), kein Wort darüber verlieren zu dürfen. Schliesslich sind die Schaffhauser unter Konzernchef Yves Serra stolz auf diesen Auftrag: Sie wirken an der geplanten Rückkehr einer Revolution mit – des Wankelmotors. Insgeheim giesst der ­Industriekonzern für Audis Elektroauto A1 e-tron den sehr speziellen Motor­kolben, 100 Stück liefert er bis Januar. Die Hoffnung in Schaffhausen: Es wäre ein Prestigeprojekt. Doch die Freude wird nicht lange währen. Audi stoppt den Wankelmotor.

Die Idee war bestechend. Mit dem Wunderwerk der Technik, in den sechziger Jahren von Fritz Wankel erfunden, hätte sich Audis Elektroflitzer aus der Masse von Kleinwagen abgehoben. Während Kolben in üblichen Motoren auf und ab stampfen und so Unwucht erzeugen, dreht sich der Kolben des Wankelmotors kreisförmig um sich selbst. Die Laufruhe und der geringe Platzbedarf des Aggregats interessierten Audis Manager. Der Motor, der als Zusatz­antrieb zur Batterie geplant war, sollte sogar in die Reserveradmulde passen. 2010 präsentierte Audi den Wankel-A1 am Auto-Salon in Genf. Der österreichische Zulieferer AVL erhielt den Auftrag für den Motor und zog GF für den Guss wichtiger Teile hinzu.

Ein Mann liess die Träume platzen: Ferdinand Piëch. Der Oberkontrolleur der Audi-Mutter Volkswagen fuhr den A1 probe. Der im Konzern wegen seiner unerbittlichen Härte gefürchtete Konzernübervater drehte eine Runde, stieg aus und sagte, das werde nicht gemacht. Worte wie ein Gesetz.

Seither plant Audi den Einsatz eines Drei- oder Zweizylinders, wie er im Konzern vielfach genutzt wird. Das schafft Volumen – und verspricht grosse Kostenvorteile. Was bleibt, sind die 100 Motoren, die trotz des Njet von Ferdinand Piëch produziert werden, um den Vertrag nicht zu verletzen.