Eine Patrizierfamilie und der Hotelpionier César Ritz waren prägend für das heutige Parkhotel Schloss Hünigen. Schon im frühen Mittelalter gab es auf dem benachbarten Hügel Niederhünigen eine Burg, die später ein Raub der Flammen wurde. Am jetzigen Standort entstand danach das Schloss Hünigen, bewohnt über mehr als drei Jahrhunderte durch die Familie von May.

Die Gutsherren traten ein grosses Stück Land an den Unternehmer Ritz ab, der am Eingang zum Emmental die Berner Alpen Milchgesellschaft gründete. Heute gehört der Betrieb - bekannt geworden mit der Bärenmarke und der Stalden Crème - zu Nestlé, einem gewichtigen Kunden des Seminarhotels. «Wir sind international ausgerichtet», betont Direktor Markus Deutsch und verweist auf die vielen Geschäftsleute von Lateinamerika bis Fernost, die in den Forschungslabors des Nahrungsmittelkonzerns ein- und ausgehen.

Euro 2008: Ein Marketing Tool

Als gutes Marketing Tool erwies sich auf dem globalen Parkett auch die Fussball-Europameisterschaft. Nacheinander gastierten vor zwei Jahren die Nationalteams von Italien, Frankreich und Rumänien im Parkhotel, das keine 20 Fahrminuten vom Stade de Suisse in Bern entfernt liegt. «Sportklubs sind seither vermehrt auf uns aufmerksam geworden», sagt Gastgeber Deutsch. Allein in den ursprünglichen Mauern wären solche Gruppen nicht unterzubringen. Dort gibt es neu renovierte Schlossgemächer, die jedoch beim Umbau zu einem Viersternehotel um moderne Zimmer und eine Wellnessanlage in einem benachbarten Komplex ergänzt wurden.

Anzeige

Das Schloss Hünigen ist seit dem Verkauf an die evangelische Gesellschaft des Kantons Bern zu Beginn des letzten Jahrhunderts eine Bildungsstätte. Mehr und mehr haben aber weltliche Themen den Seminarbetrieb geprägt. Bankette, Hochzeiten und Jubiläen sind dazugekommen. Im Zentrum steht weiter das Tagungsgeschäft, das gegen zwei Drittel zum Umsatz beisteuert. Elf Seminarräume bieten ein vielfältiges Ambiente. Da gibt es vom kleinen Sitzungszimmer im Schlossturm alles bis zum multifunktionalen Saal im lichtdurchfluteten Annex mit viel Glas. Die Veranstalter nutzen dabei auch oft den weitläufigen Park, um Wissensstoffe oder Teambildungsgedanken draussen in der Natur zu vermitteln. In unmittelbarer Nähe besteht auch die Möglichkeit, zum Ausgleich eine Partie Hornussen zu bestreiten oder zur Stillung der Neugierde in der Emme nach Gold zu suchen. Für umfangreichere Aktivitäten nimmt das Schloss Hünigen die Dienste von Outdoor-Spezialisten in Anspruch.

Die Hauptkundschaft rekrutiert sich aus der Region, umfasst aber vor allem auch Unternehmen und Organisationen von Aarau über Basel bis in die Westschweiz. «Wir sehen in der Romandie noch ein grosses Potenzial», gibt sich Markus Deutsch überzeugt.

Der Hotelier beschreitet zur Akquisition von Neu- und der Pflege von Stammkunden diverse Wege. Einmal pro Jahr wird ein Event-Programm verschickt mit kulturellen Anlässen, die vom klassischen Konzert bis zum Musical reichen. Diese Veranstaltungen im eigenen Haus nutzen die Marketingleute auch für das Networking mit Tagungsorganisatoren. Dazu kommt ein regelmässiger Aussand, der auf Neuheiten und besondere Aktivitäten aufmerksam macht.

Potenzielle Gäste versucht die Verkaufsabteilung mit originellen Ideen anzusprechen. Etwa mit einer Tortenschachtel, aus der süsses Gebäck unter den Firmenmitarbeitern verteilt wird, während kurz eine Informationsmappe erklärt wird. Deutsch setzt zudem auf den Internetdienstleister Hotelpartner. Auf diesem Vertriebskanal wird ein Yield Management betrieben, wie es die Airlines schon lange kennen. Je nach Angebot und Nachfrage, sprich Haupt- oder Nebensaison, schwanken die Preise.

Küche: 13 Gault-Millau-Punkte

Das kulinarische Angebot ist über Mittag auf die Bedürfnisse der Seminargruppen abgestimmt. Serviert werden leichte Kost und kleine Portionen. Demgegenüber sind die Dinner am Abend auf eine längere Verweildauer ausgerichtet. Für Qualität bürgt die mit 13 Gault-Millau-Punkten ausgezeichnete Küche im «Rosarium», benannt nach den über 3000 Rosen, die im Park jeweils im Sommer blühen. Dabei hegt Deutsch Pläne, das A-la-carte-Restaurant aus dem Hotel in diesen Park auszulagern. Es wäre eine weitere Etappe in der Umgestaltung des Hauses.