Im Fall des Credit-Suisse-Direktors P. L., der in der Vermögensverwaltung der Bank Hunderte Millionen Dollar an Kundengeldern verzockt haben soll, widerspricht ein mutmasslich geprellter CS-Kunde den Erklärungen von Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam. Dies berichtet die «Handelszeitung» in ihrer neusten Ausgabe.

Unter den mutmasslich Geschädigten befindet sich der georgische Multimilliardär Bidzina Ivanishvili. Dessen Genfer Anwalt Marc Henzelin von der Kanzlei Lalive nimmt die Credit Suisse in die Pflicht.  «Es ist praktisch unmöglich, dass die Credit-Suisse-Verantwortlichen nichts von Machenschaften von P. L. gewusst haben», behauptet er. CS-Chef Thiam hatte zuvor in einem Zeitungsinterview von einem «isolierten Einzelfall» gesprochen.

Kundenberater als kleines Rädchen

Der mittlerweile freigestellte P. L. soll als einer der wichtigsten CS-Vermögensverwalter mehrere Hundert Millionen Dollar an Kundengeldern veruntreut haben. Konkret geht es beispielsweise um Optionsgeschäfte - die Rede ist von 400 Millionen Dollar - auf türkische Lira oder südafrikanische Rand, die durch mehrere CS-Desks abgewickelt wurden. P. L. sei ein kleines Rädchen im Getriebe des Finanzkonzerns gewesen, behauptet Henzelin. Auch andere Geschädigtenvertreter stützen die Aussage des Ivanishvili-Anwalts.

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Derweil weitet sich die Affäre aus. Wie Recherchen zeigen, sind nebst den bisher drei Geschädigten weitere CS-Kunden vom Fall betroffen und haben Anwälte beigezogen. Auch sollen in diesen Tagen weitere Anzeigen eingereicht werden. Die Finanzmarktauftsicht Finma steht wegen des Falls mit der Bank in Kontakt. Die Credit Suisse wollte gegenüber der «Handelszeitung» «zu den laufenden Untersuchungen keine Auskünfte erteilen». Die Bank hatte im Dezember selbst Strafanzeige gegen P. L. eingereicht, nachdem Milliardär Bidzina Ivanishvili den Rechtsweg beschritten hatte.

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