Im Streit um das Schmerzensgeld für die Hinterbliebenen der Germanwings-Katastrophe wird der Ton schärfer. Mehrere Dutzend Angehörigenfamilien seien empört über ein Angebot des Mutterkonzerns Lufthansa, sie lehnten es als «unangemessen» ab, heisst es in einem Brief des Rechtsanwalts Elmar Giemulla an die Airline.

Seine Mandanten erwarteten ein neues Angebot der Lufthansa, sagte der Jurist, der nach eigenen Angaben 36 Familien vertritt. Er forderte mindestens 100'000 Euro für jedes Opfer. Die Lufthansa teilte am Sonntag mit, man kommentiere anwaltliche Korrespondenz nicht.

«Nicht mit 25'000 Euro!»

«Es wird Sie nicht verwundern, dass meine Mandanten mich gebeten haben, dieses Angebot als unangemessen abzulehnen», heisst es unter anderem in dem siebenseitigen Schreiben Giemullas. «So niedrig habe ich es in meiner Zeit als Anwalt bislang noch nie erlebt», sagte er zudem der Nachrichtenagentur dpa.

Schwierig sei unter anderem die Frage, wie das Schmerzensgeld in einem Fall wie der Germanwings-Katastrophe berechnet werden könne. Dazu heisst es in dem Brief Giemullas: «Eine Antwort kann jedoch sicher gegeben werden: Nicht mit 25'000 Euro!»

Tiefes Schmerzensgeld als Affront

Auch das Angebot der Lufthansa, nächsten Angehörigen wie Eltern, Kindern oder Lebenspartnern ohne weitere Prüfung jeweils ein Schmerzensgeld von 10'000 Euro zu zahlen, wies der Anwalt als unangemessen zurück. Die Gruppe sei zu klein gefasst, zudem müsse der Betrag «im unteren sechsstelligen Bereich liegen», schrieb er in dem Brief an die Gegenseite.

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Dazu heisst es im Schreiben: «Zu niedrige Zahlungen können, gerade wenn sie freiwillig erfolgen, als Ignoranz und damit als Verletzung empfunden werden.»

Christof Wellens, der nach eigenen Angaben 15 Opfer-Familien mit mehr als 60 Angehörigen zivilrechtlich vertritt, hatte bereits Ende Juni über das Lufthansa-Angebot gesagt: «Ich kann mir kaum vorstellen, dass auch nur eine Opfer-Familie das annimmt.» Die Lufthansa versuche, sich der Verantwortung zu entziehen.

Absichtlich abgestürzt

Bei dem Absturz der Germanwings-Maschine am 24. März in den französischen Alpen waren alle 150 Menschen an Bord ums Leben gekommen, darunter viele Deutsche.

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hatte der deutsche Copilot seinen Kollegen aus dem Cockpit ausgesperrt und die Maschine absichtlich zum Absturz gebracht. Der 27-Jährige habe psychische Probleme und Suizidgedanken gehabt, die er vor seinem Arbeitgeber verheimlicht habe, davon sind die Ermittler überzeugt.

(sda/gku)