Gut einen Tag nach den Gerüchten um eine Übernahme durch den US-Konzern General Electric (GE) will die Führungsspitze von Alstom laut Kreisen über ein mögliches Angebot beraten. Im Anschluss könne sich das Gremium zu der angeblich geplanten Übernahme-Offerte äussern, schreibt die Nachrichtenagentur Bloomberg am Freitag unter Berufung auf Insider. Der Handel mit Alstom-Aktien an der Pariser Börse Euronext war am Morgen bereits ausgesetzt worden.

Nach einem Bericht der Zeitung «Le Figaro» interessiert sich GE vor allem für das Energietechnik-Geschäft von Alstom, das rund 70 Prozent der Konzernaktivitäten ausmacht. Um das Bahngeschäft geht es demnach nicht. Alstom baut unter anderem auch den Hochgeschwindigkeitszug TGV.

«Andere Lösungen und Szenarien»

Die französische Zeitung «Le Monde» zitierte am Freitag indes Frankreichs Wirtschaftsminister Arnaud Montebour: Er werde dem GE-Chef seine Bedenken mitteilen. Die Regierung arbeite an «anderen Lösungen und Szenarien», sagte der Wirtschaftsminister weiter. Alstom stehe für die industrielle Stärke Frankreichs und französischen Erfindergeist. Es bestehe die Gefahr, dass man ein Zentrum wirtschaftlicher Entscheidungen verliere.

Der Turbinen- und Zughersteller Alstom gilt als angeschlagen. Bloomberg hatte in der Nacht auf Donnerstag berichtet, der Siemens-Rivale wolle den französischen Hersteller von Zügen und Energietechnik für 13 Milliarden Dollar schlucken. GE habe sich bereits die Unterstützung des französischen Mischkonzerns Bouygues gesichert, der 29 Prozent an Alstom hält.

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6500 Personen in der Schweiz

Alstom beschäftigt in der Schweiz über 6500 Personen. Die Schweiz ist für den französischen Konzern Alstom als Hauptsitz des Sektors Thermische Energie ein wichtiger Standort. Der Geschäftsteil generiert nach Firmenangaben über 45 Prozent des gesamten Konzernumsatzes.

Hauptstandorte sind Baden, Birr, Oberentfelden und Neuhausen am Rheinfall. Unter anderem betreibt Alstom ein Forschungs- und Kompetenzzentrum in der Schweiz.

(reuters/awp/vst/sim)