Der Autobauer Volkswagen (VW) könnte laut einem Pressebericht vor einem umfangreichen Umbau der Führungsspitze stehen. Der 76-jährige Aufsichtsratschef Ferdinand Piech soll aus gesundheitlichen Gründen binnen der kommenden Monate seinen Posten an Vorstandschef Martin Winterkorn abgeben, wie das «Handelsblatt» unter Berufung auf gut informierte Kreise berichtete.

An die Konzernspitze soll dann der 62 Jahre alte Finanzvorstand Hans-Dieter Pötsch rücken - allerdings nur für eine Übergangszeit, bis ein jüngerer Nachfolger für Winterkorn gefunden ist. Volkswagen hat die Pläne gegenüber der Zeitung dementiert. Martin Winterkorn bleibe noch lange Vorstandschef von VW, sagte ein Konzernsprecher.

Piech selbst hatte Ende vergangenen Jahres gesagt, dass er noch mindestens fünf Jahre Aufsichtsratschef bleiben wolle. Winterkorns Vertrag als Vorstandschef läuft noch bis Ende 2016.

Immer wieder Spekulationen

Gerüchte über die zukünftige Führung von Volkswagen gibt es bereits seit längerem. Erst am Montag hat das «Handelsblatt» einen ähnlichen Bericht veröffentlicht. Hintergrund der angeblichen Personalspiele soll die angeschlagene Gesundheit Piechs sein. Dieser wolle deshalb die Führung des Kontrollgremiums an seinen engsten Vertrauten Winterkorn abgeben, wie das Blatt aus Konzernkreisen erfahren haben will.

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Teil der möglichen Personalrochade ist auch Audi-Chef Rupert Stadler. Dieser soll von Ingolstadt nach Wolfsburg wechseln und sich dort dann um die Finanzen des grössten europäischen Autobauers kümmern. Die nächste VW-Aufsichtsratssitzung findet Ende September statt.

Bereits Vorkehrungen für Rücktritt getroffen

Piech hatte vor 20 Jahren VW vor dem Abgrund bewahrt. Dank Einsparungen und neuer Automodelle schaffte es die Kernmarke zügig aus den roten Zahlen. Dabei konnte sich Piech auf die Hilfe der Arbeitnehmer verlassen. Der Umsatz legte von 76,6 Milliarden Mark (39,2 Milliarden Euro) 1993 auf 192,7 Milliarden Euro im vergangenen Jahr zu.

2002 wechselte der Enkel des Käfer-Konstrukteurs Ferdinand Porsche vom Chefsessel in den Aufsichtsrat. Auch für seine Nachfolge hat Piech bereits erste Weichen gestellt. Seine Frau Ursula hat bereits einige wichtige Funktionen übernommen. Die frühere Kindergärtnerin, die wie ihr Mann aus Österreich stammt, ist Stellvertreterin in zwei Stiftungen, in die Piech seine Firmenanteile eingebracht hat. Auch sitzt sie im Aufsichtsrat von VW und der Tochter Audi.

(awp/reuters/jev/vst)