Die Finanzkrise der letzten Monate schuf gravierende Liquiditätsengpässe, einen Verfall der Nachfrage und eine Stimmung der wirtschaftlichen Unsicherheit. In diesem Umfeld wurden die Mängel einer rein finanziellen Betrachtungsweise von Kreditrisiken erkannt.

In vielen Fällen versagte die traditionelle Kreditanalyse bei der Aufdeckung von unternehmensspezifischen Risiken in Verbindung mit nicht nachhaltigen Geschäftspraktiken - entweder, weil diese Risiken generell nicht von den Analysen abgedeckt wurden, oder weil sie anhand der konventionellen Risikomasse nur schwer zu erfassen sind. Die fehlende Berücksichtigung von nicht nachhaltigen Geschäftspraktiken kann jedoch schwerwiegende Konsequenzen für institutionelle Anleger mit sich bringen. In vielen Fällen verliessen sich investierende Institutionen blind auf die Bonitätsbewertungen der Rating-Agenturen. Diese bewerten jedoch vornehmlich die messbaren finanziellen Risken der Schuldner. Als Konsequenz daraus wurden einige nur schwer kalkulierbare Risiken in Bezug auf die Geschäftstätigkeiten von Unternehmen weitgehend ausgeblendet. Beispiele dafür sind Reputationsrisiken durch mangelhafte Produktqualität, Schadenersatzforderungen, gesellschaftlich vermehrt in Frage gestellte Produkte/ Dienstleistungen oder Konflikte mit Anspruchsgruppen.

Profitieren durch Nachhaltigkeit

Diese Faktoren haben aber einen direkten Einfluss auf das Kreditrisiko eines Unternehmens und können zu höheren Ausfallwahrscheinlichkeiten führen. Die weitverbreitete Praxis in der Kreditanalyse, nicht finanziellen Risiken zu wenig Beachtung zu schenken, legt die Vermutung nahe, dass die Gefahren von nicht nachhaltigen Geschäftspraktiken jahrelang massiv unterschätzt wurden. Dies resultierte in zu optimistischen Bonitätsbewertungen sowie nicht angemessenen Risikoprämien für die Anleihen solcher Emittenten. In schwierigen Zeiten kommt der Mehrwert einer nachhaltigen Anlagephilosophie am deutlichsten zum Vorschein - insbesondere für Anleihenanleger. Neben den finanziellen Aspekten wie Kreditwürdigkeit oder Kapitalstruktur umfasst dieser Anlagestil auch die ökologischen und sozialen Risiken eines Unternehmens und dessen Geschäftsmodell.

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Diese zusätzliche Bewertungskomponente ist ein wichtiger Indikator dafür, wie ein Unternehmen mit dem existierenden Konfliktpotenzial umgeht und für seine Bemühungen, langfristige Risiken zu vermeiden. Durch eine Kombination aus traditioneller Kreditanalyse und einem umfassenden Nachhaltigkeitsansatz kann eine wesentlich bessere Einschätzung der Kreditrisiken eines Unternehmens gemacht werden.

Generell lässt sich eine überlegene Wertentwicklung von nachhaltigen Unternehmensanleihen (relativ zur nicht nachhaltigen Vergleichsgruppe) seit Beginn der Finanzkrise feststellen. Dies bestätigt die Gültigkeit der Nachhaltigkeitskomponente als ein komplementäres Instrument der Risikokontrolle. Mehrere Faktoren sind für das gute Abschneiden des nachhaltigen Anlagestils im Bereich der Unternehmensanleihen verantwortlich: Einerseits weisen nachhaltige Unternehmensschuldner durchschnittlich eine höhere Bonitätsbewertung auf, was sich durch die steigende Nachfrage nach sicheren Anleihen positiv auf die relative Wertentwicklung auswirkt. Andererseits kann bei Anleihen von nicht nachhaltigen Unternehmen eine wesentlich stärkere Ausweitung der Risikoprämien festgestellt werden.

Nicht nur finanzielle Risiken

Zusammenfassend legen diese Ergebnisse die Notwendigkeit nahe, dass institutionelle Anleger bei der Bewertung von Unternehmensanleihen nicht nur ausschliesslich finanzielle Risiken berücksichtigen sollten. Somit werden die Vorteile einer systematischen Anwendung eines Nachhaltigkeitsansatzes auch bei Anlagen in Unternehmensanleihen bestätigt.