Bankenkritiker werfen der Deutschen Bank vor, einen mutmasslichen Hersteller von Streumunition in den USA finanziert zu haben. Und das, obwohl der Vorstandsvorsitzende Josef Ackermann zuvor versprochen hatte, solche Geschäfte zu beenden.

Recherchen der finanzkritischen Organisationen Facing Finance und Profundo widerlegen das. In einer Studie, die auf Daten von Finanzdienstleistern basiert und «Zeit Online» vorliegt, listen die Organisationen Kredite, Anleihen und Beteiligungen an mutmasslichen Herstellern von Streumunition auf.

Im Fokus steht dabei das US-Unternehmen L-3. Dieses habe kurz nach der Ausstiegsankündigung von der Deutschen Bank einen Kredit erhalten. Zuletzt hatte Ackermann Anfang Februar gesagt, dass die Deutsche Bank das Problem angegangen sei. Nur einen Tag später habe sein Haus dann einen Kredit in Höhe von 47,5 Millionen Euro an L-3 vergeben, wirft ihm Facing Finance vor.

Eklat auf Jahreshauptversammlung

Die Deutsche Bank steht wegen ihrer Geschäfte mit den gefährlichen Bomben seit Jahren in der Kritik. Doch im Mai 2011 war der Druck grösser denn je. Damals hatte der einstige Minenräumer Branislav Kapetanovic mit seinem Auftritt auf der Jahreshauptversammlung des Frankfurter Instituts für einen Skandal gesorgt.

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Kapetanovic war in einem Rollstuhl auf die Bühne gerollt, hatte erzählt, wie eine Streubombe sein Leben zerstört hatte. «Warum finanziert die Deutsche Bank immer noch Hersteller dieser Waffen», hatte er Ackermann gefragt - und den Applaus der Anleger bekommen.

Angeblich mischt auch Commerzbank mit

Facing Finance will ausserdem Geschäfte weiterer deutscher Banken festgestellt haben. Insgesamt belaufe sich das Marktvolumen in Deutschland auf bis zu 1,6 Milliarden Euro. Die Deutsche Bank habe daran einen Anteil von fast 90 Prozent, erklärte Facing Finance. Auch die Commerzbank mische über ihr Investmentbanking mit.

Der Einsatz von Streumunition ist international geächtet. Es handelt sich dabei um Bomben, die Dutzende kleiner Sprengkörper freisetzen. Viele bleiben als Blindgänger im Boden liegen und explodieren erst bei Berührung. So gefährden sie für Jahrzehnte Leib und Leben unschuldiger Zivilisten. 111 Staaten haben bisher eine entsprechende Vereinbarung zur Ächtung unterzeichnet, darunter 21 der 27 EU-Länder.

(aho/chb)