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Harzig
Geschäften auf Kuba: Fidel Castros schweres Erbe

Kuba: Nur wenige Schweizer Unternehmen sind mit eigenen Büros vor Ort. Keystone

Die wirtschaftliche Öffnung stockt: Schweizer Unternehmer beissen sich auf der Karibikinsel weiter die Zähne aus. Welche Hindernisse den Handel auf Sparflamme halten.

Von Seraina Gross
am 01.12.2016

Wenige Wochen vor Fidel Castros Tod sitzt Manuel Sánchez, ein junger Student der Politikwissenschaften, bei einem Mojito in einer Bar in der herausgeputzten Altstadt Havannas. In Wirklichkeit heisst er anders, doch der allgegenwärtige kubanische Geheimdienst darf nicht wisssen, dass er mit einer ausländischen Journalistin redet.

Um uns herum lärmt das Kuba, von dem die Touristen träumen, wenn sie in Havanna landen – mit bunten Oldtimern und karibischer Fröhlichkeit. Die Szenerie mobilisiert das ganze Spektrum simpler Kuba-Phantasien: Hemingway, altes Hollywood, revolutionäres Heldentum, Rum.

Schnelle Öffnung lässt auf sich warten

Doch der junge Mann scheint den Trubel nicht zu bemerken. Stattdessen denkt er laut über die Widersprüche nach: «Wissen Sie, wir können reisen», sagt er, «das ist nicht verboten.» Wie aber bitte solle er sich mit dem wenigen Geld, das er verdiene, je ein Flugticket in die USA oder gar nach Europa kaufen?

Stunde null in Havanna. Kuba ehrt den «commandante». Doch Castros Tod trifft die Karibikinsel in einem heiklen Moment. Die Pläne einer schnellen wirtschaftlichen und politischen Öffnung haben sich zerschlagen. Die Reformpolitik greift nicht und nach der Wahl von Donald Trump sieht es noch weniger danach aus, als würde das seit bald 60 Jahren geltende US-Embargo demnächst fallen.

Ernüchterung macht sich breit – auch bei ausländischen Geschäftsleuten. «Die Euphorie ist verflogen. Es geht nicht wirklich vorwärts», sagt ein mit den Verhältnissen vertrauter Schweizer Geschäftsmann.

Pharmagrössen mit eigenen Büros

Der Handel zwischen der Schweiz und Kuba ist auch zwei Jahre nach dem historischen Telefonanruf Barack Obamas beim einstigen Erzfeind in der Karibik bescheiden.

Zigarrenfabrikant Heinrich Villiger bezieht seinen Tabak aus Havanna. Nestlé verkauft Kapseln mit kubanischem Kaffee in den USA. Roche und Novartis profitieren vom guten Zustand des kubanischen Gesundheitswesens. Beide sind – eine Seltenheit – mit eigenen Büros in Havanna vertreten. Roche versorgt Kuba mit den neuesten Krebsmedikamenten und qualitativ hochstehenden diagnostischen Tests. Novartis beliefert die kubanischen Gesundheitsbehörden mit Krebs- und Transplantationsmedikamenten.

Doch die Handelsbeziehungen kochen auf Sparflamme. Ausfuhren von 20 Millionen Franken und Einfuhren von 30 Millionen: Das ist minimal für ein Land von 11 Millionen Einwohnern mit einem Wohlstandsniveau, das jenem von Rumänien entspricht.

Kaum rechtsstaatliche Strukturen

Dass bei geschäftlichen Treffen ein Mann vom Geheimdienst mit am Tisch sitzt, gehört zu den kleineren Unannehmlichkeiten. Schwerer wiegt die Intransparenz, mit der die kubanische Seite agiert. «Diejenigen, die am Drücker sitzen, bekommt man nie zu Gesicht», sagt ein Schweizer Geschäftsmann.

Rechtsstaatliche Strukturen zur Konfliktbewältigung gibt es kaum. Dazu kommen die notorischen Zahlungsschwierigkeiten. Zahlungsfristen von einem, zwei oder gar drei Jahren sind in Kuba die Norm.

Korruption gibt es nicht

Ein Dauerbrenner ist die Investitionssicherheit. Die Zusicherung, einmal getätigte Investitionen auch vollumfänglich kapitalisieren zu können, ist zwar da. Trotzdem machen Geschichten von Unternehmen – auch aus der Schweiz – , die in Kuba aufgrund von Behördenentscheiden Geld verloren haben, in Havanna regelmässig die Runde.

Dabei geht es in aller Regel nicht um persönliche Bereicherung. Von einer Plage blieb Kuba nämlich bis jetzt verschont: Der Bestechung. Kubanische Beamte gelten im Gegensatz zu ihren Kollegen in anderen lateinamerikanischen Ländern als nicht korrumpierbar.

Gefährliche Gratwanderung

Ein weiteres Problem: Die ständige Angst von internationalen Unternehmen, mit ihrer Geschäftstätigkeit in den USA in Teufels Küche zu geraten. Das Damoklesschwert eines Sanktionsverstosses hängt nicht nur über den Banken, sondern über jedem Westunternehmen.

Kubas Abfahrt in die kapitalistische Zukunft ist in weiter Ferne – auch nach dem Tod von Castro.

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