Eine auffällige Parallele zwischen der Krise der frühen 1990er-Jahre und dem heutigen Abschwung zeigt sich in der unerwartet raschen Konjunkturabkühlung. Die Prognostiker korrigierten im 3. Quartal 1991 und im 4. Quartal 2008 ihre Wachstumsprognosen ins Negative, und beide Male befand sich die Schweizer Wirtschaft bereits in einer Rezession.

Auch in ihrem Umfang scheinen die beiden Krisen vergleichbar, mussten Schweizer Hypothekarbanken doch bereits in der ersten Hälfte der 90er-Jahre mehr als 40 Mrd Franken an faulen Krediten abschreiben. Die Ursache lag damals wie heute in einer zu lockeren Belehnungspraxis, welche die Nachfrage stimulierte und die Immobilienpreise in die Höhe schiessen liess. Während in den 90er-Jahren dieses Phänomen vor allem inländische Hypothekarschuldner betraf, sind die Probleme heute importiert und in erster Linie auf schlecht gesicherte Hypothekarkredite in den USA zurückzuführen. Im Inland haben die Banken aus der Krise der 90er-Jahre gelernt und ihre Belehnungspraxis auf eine solide Basis gestellt, was in der Schweiz mit dazu beitrug, dass sich keine neue Immobilienblase bildete.

Wohneigentum stabil

Dank dieser vorsichtigen Belehnungspraxis und der Alterna-tive eines funktionierenden Mietwohnungsmarktes entwickelten sich die Preise beim Wohneigentum in den letzten Jahren nur moderat, und so präsentiert sich der Schweizer Wohneigentumsmarkt heute weitgehend krisenresistent. Selbst deutliche Veränderungen in der Zinslandschaft würden durch längerfristige Hypothekarmodelle mindestens teilweise abgefedert, sodass verbreitete Zwangsversteigerungen, wie sie in einigen angelsächsischen Ländern heute zur Tagesordnung gehören, in der Schweiz höchst unwahrscheinlich sind. Erodierende Preise sind in einigen Marktregionen und -segmenten jedoch nicht auszuschliessen, insbesondere in gewissen Eigentumswohnungsmärkten, wo sich die Marktliquidität aufgrund der hohen Neubautätigkeit massiv vergrössert hat.

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Kleine Risiken bei Mietshäusern

Ähnlich wie in den 80er-Jahren hat auch in jüngster Vergangenheit die verstärkte Zuwanderung ausländischer Arbeitskräfte zu einem Nachfrageüberhang nach Wohnraum und zu einer verstärkten Wohnbautätigkeit geführt. Durch die Rezession erhöht sich das Risiko, dass der Wanderungssaldo und die Marktsituation ins Gegenteil umschlagen, mit Angebotsüberhängen, erhöhten Leerstandsrisiken und einer ungewissen Renditeentwicklung. Dass dadurch das Marktgefüge erschüttert würde, scheint sehr unwahrscheinlich, wird doch der Markt von langfristig operierenden - oft institutionellen - Anlegern dominiert, die sich durch kurzfristige Renditeschwankungen kaum zum Handeln genötigt sehen.

Heikle Geschäftsliegenschaften

Einmal mehr kumulieren sich die Probleme im Immobilienmarkt bei den Geschäftsliegenschaften. Anders als in den 90er-Jahren sind sie aber nicht das Resultat einer überbordenden Neubautätigkeit, sondern Auswirkung der stärkeren Einbindung der Schweiz in den Weltmarkt und der globalen Natur der gegenwärtigen Rezession. Zu erwarten ist allerdings, wie damals, dass in erster Linie strukturschwache Immobilien - demodierte Objekte an unattraktiven Standorten - aus dem Markt kippen, während zeitgemässe Gebäude an attraktiven Lagen auch in schwieriger werdenden Zeiten ihre Abnehmer finden dürften.