Der Finanzsektor wurde mit koordinierten Sanierungspaketen in Europa und Übersee gestützt, aber das Licht am Ende des Tunnels ist zum Jahresende noch nicht absehbar. Guy de Blonay, Fondsmanager bei New Star Asset Investment in London, ist zumindest der Ansicht, dass diese Massnahmen den In-ter-Banken wieder «etwas Leben haben einhauchen können». Für ihn sind die Verbesserungen im Hinblick auf die Eigenkapitalquote und die verminderte Fremdfinanzierung bei den Banken als positiv einzustufen. Gleichzeitig schlägt allerdings die wirtschaftliche Abkühlung auf die Erträge durch. Für Josef Ackermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, wird 2009 als «Jahr der Neugestaltung des globalen Finanzsystems» in die Geschichte eingehen. Dabei gilt es für die Banken, die Kapitalbasis zu stärken und vor allem das Vertrauen der Kunden wieder herzustellen.

Zurückhaltung

Im eingetrübten Wirtschaftsklima werden sich nur wenige Finanzdienstleister günstig entwickeln. Die Banken verspüren sowohl den schwindenden Appetit nach Ausleihungen, als auch die steigenden Kreditkosten, weil zahlreiche Kunden ihre Schuldzinsen nicht mehr begleichen können. Martin Kinsler, Manager des Horizon Global Financials Fund bei Henderson in London, gibt sich für die Bankenbranche entsprechend zurückhaltend. Für die Lebensversicherer sieht er ebenfalls eine schwierige Zeit voraus. Diese Anbieter würden sich höheren Kreditkosten gegenüber sehen und zudem sei es schwierig, die Kunden für riskante Investments zu interessieren. Anders sieht es bei den Versicherungen im Nichtleben-Bereich aus. «Viele Sachversicherer sind relativ gut positioniert», sagt Kinsler.

Die Assekuranz steht auch bei Fondsmanager de Blonay im Vordergrund. Er bevorzugt derzeit den Sektor Rückversicherungen: «Wir erwarten, dass die Nachfrage nach Rückversicherungen weiter ansteigt.» Die Versicherer versuchen, ihre Kapitalrücklagen zu stärken, nachdem sie erhebliche Verluste bei Darlehen und Ausfälle bei Katastrophen hinnehmen mussten. Im jetzigen Investitionsklima sind weder die Emission von Darlehen noch Aktien eine rentable Option. Deshalb versuchen diese Gesellschaften das Risiko durch Rückversicherungen abzudecken, womit sich gleichzeitig die vorgeschriebene Kapitaldeckung absenken lässt.

Anzeige

Index-Schwergewichte

Für Martin Kinsler sind die Perspektiven im Bankensektor fast ausschliesslich von der Rezessionsdauer und dem entsprechenden Einfluss auf die Vermögenswerte abhängig. Die regulatorischen Aktivitäten gelten dabei als Schlüsselgrösse. Ausschlaggebend wird die Entwicklung an den Aktienmärkten. Guy de Blonay beobachtet eine global koordinierte Senkung der Leitzinsen: «Damit scheinen sich die Wertpapiermärkte langsam in Richtung Anfang vom Ende der Finanzkrise zu bewegen.» Innerhalb der Bankenbranche favorisiert sein Fonds regionale Schweizer Banken, die von den Fehlern ihrer grossen Rivalen profitieren. Zu berücksichtigen gilt es, dass die Finanzdienstleistungsbranche am MSCI World Index mit mehr als einem Viertel partizipiert. Dieser grösste Sektor an den weltweiten Aktienmärkten kann auch in Krisenzeiten nicht einfach ausgeklammert werden. Für den New-Star-Fondsd-Manager bieten sich in Kontinentaleuropa im jetzigen Umfeld teilweise attraktive Möglichkeiten für Stock Picker. Die Bewertungen der Unternehmen sind hier im Gegensatz zu jenen in Japan oder in den USA niedrig.