Jetzt ist kein guter Zeitpunkt, bei Investoren auf Road Show zu gehen: Die einen sind entnervt, die anderen in Panik. Auf riskante Investments mit hohen Renditeversprechen will sich kaum noch einer einlassen. Was nach Insektenplage klingt, sowieso. Schwierige Zeiten also für Männer wie Peter Löw, der sich «der bekannteste Sanierer Deutschlands» nennt (siehe Kasten). Löw bemüht sich derzeit um die Gunst der Investoren, um sein jüngstes Beteiligungsprojekt nach vorne zu bringen.

«BluO» heisst sein jüngstes Projekt, ein Sicav-Fonds mit Ansiedlung in Luxemburg, der seit fünf Monaten operativ tätig ist. Derzeit stünden rund 75 Mio Euro für Zukäufe zur Verfügung. Bis Ende Jahr sollen zwei bis drei Akquisitionen über die Bühne gegangen sein, auch in der Schweiz. Diese wird BluO anschliessend nach Baukastenmodell sanieren und möglichst bald gewinnbringend veräussern. Als Heuschrecke oder klassischer Private-Equity-Investor will sich Löw aber nicht verstanden wissen. «Wir führen keine feindlichen Übernahmen durch, finanzieren ohne Fremdkapital, sanieren selber und verkaufen in fast jedem Fall an strategische Investoren», fasst er zusammen.

Verhandlungen mit Schweizer

In der Schweiz soll BluO kurz vor der ersten Übernahme stehen. «Wir führen derzeit Verhandlungen mit einem Schweizer Grosskonzern über den Kauf einer unprofitablen Tochterfirma», bestätigt der Sanierer. Während der Umsatz der Mutter im Milliarden-Franken-Bereich anzusiedeln sei, erziele die Tochter jährlich einen mittleren dreistelligen Millionen-Franken-Betrag. In welchem Sektor der Konzern tätig ist und ob er börsenkotiert ist, will Löw nicht kommentieren.

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Krise lässt Investoren zögern

Noch im Sommer sprach BluO von einem geplanten Fondsvolumen von 1 Mrd Euro. Nun backt der Sanierer deutlich kleinere Brötchen: Bis zum 1. Closing des Fonds im November soll BluO rund 250 Mio Euro eingesammelt haben. Auch der bekannteste Sanierer Deutschlands spürt die Finanzkrise. «Tatsächlich sind die Investoren zurückhaltender geworden», räumt Löw ein.

Diesem Nachteil für Beteiligungsprojekte wie BluO stünden aber gleich mehrere Vorteile gegenüber. «Die herkömmliche Private-Equity-Branche, die bei Übernahmen mit einem hohen Fremdfinanzierungsgrad operiert, ist tot», glaubt der Sanierer. Deshalb habe sich die Konkurrenz unter Beteiligungsgesellschaften, die nach günstig bewerteten Firmen fahnden, deutlich abgeschwächt. In der Folge würden auch die Übernahmepreise mangels Nachfrage deutlich sinken. «Und das ist gut für BluO», freut sich Löw.

Zudem werde er angesichts der sich abkühlenden Konjunktur mit Anfragen veräusserungswilliger Unternehmen überschwemmt.

Bisher hat BluO mit insgesamt rund 80 Unternehmen Gespräche geführt. Vier von fünf Unternehmen haben ihren Ursprung im deutschsprachigen Europa. Löw wirbt damit, dass BluO jede Übernahme zu 100% aus Eigenkapital finanziert. «Wir stemmen das nicht mit Krediten», betont er.

Eine Achillesferse hat BluO trotzdem: Die Richtlinien für Fondsgesellschaften verlangen, dass BluO nicht mehr als 25% der Mittel auf einen einzelnen Deal alloziert. «Das bedeutet theoretisch, dass es nach unserem 1. Closing nicht möglich ist, eine Übernahme mit einem Kaufpreis von mehr als 60 Mio Euro aus eigenen Mitteln durchzuführen», schlussfolgert Löw. Um sich nicht derart einschränken zu müssen, werde man mit Co-Investoren arbeiten – schliesslich fasst BluO grössere Zukäufe mit einem Kaufpreis von bis zu 150 Mio Euro ins Auge. «Unsere Co-Investoren müssen kurzfristig agieren können, denn bei der Rettung unprofitabler Firmen drängt die Zeit», so Löw. Er habe daher Verträge mit drei Londoner Hedge-Fonds abgeschlossen, die bei grösseren Deals auftreten werden. Namen will Löw keine nennen, versichert aber, dass es sich um «solide, sehr grosse Hedge-Fonds handelt». Gleichzeitig aber gibt er zu, dass in Zeiten der Finanzkrise nichts mehr als sicher betrachtet werden kann. «Alles kann heutzutage schief gehen», räumt er ein.