1. Home
  2. Unternehmen
  3. Gespaltene Uhrenindustrie: Swatch setzt sich durch

Gespaltene Uhrenindustrie: Swatch setzt sich durch

Nick Hayek, CEO von Swatch, setzt sich bei der Swissness-Vorlage gegen kleinere Produzenten durch. (Bild: Keystone)

Unter dem Druck von Swatch lobbyiert Economiesuisse bei der Swissness-Vorlage für strengere Vorgaben. Doch nicht alle Uhrenproduzenten freuen sich über die Kehrtwende.

Veröffentlicht am 10.03.2013

Vor zehn Tagen kündigte der Uhrenindustrieverband (FH) per Ende Jahr seinen Austritt aus Economiesuisse an. Damit schien das Band zwischen den beiden Verbänden definitiv gerissen. Doch jetzt setzt Economiesuisse alles daran, den Entscheid rückgängig zu machen, wie die Zeitung «Der Sonntag» schreibt: Der Wirtschaftsdachverband weibelte diese Woche im Bundeshaus intensiv für einen Kompromiss bei der Swissness-Vorlage, der auch den Uhrenverband zufriedenstellen dürfte.

Nach intensiver Suche hat der Wirtschaftsdachverband auch einen Politiker gefunden, der diesen Vorschlag als Einzelantrag in die Nationalratsdebatte einbringt: den Neuenburger FDP-Nationalrat Alain Ribaux. «Die Lösung ist intellektuell vielleicht nicht sehr befriedigend, aber pragmatisch», sagt Ribaux. Schützenhilfe erhält er von Partei- und Ratskollegin Doris Fiala (ZH): «Ich werde diesen Kompromiss unterstützen.» Im Ständerat steht mit Karin Keller-Sutter (SG) eine weitere Freisinnige bereit.

Ebenfalls auf Interesse stösst der Vorschlag bei der SVP. «Ich werde mich dafür einsetzen», sagt Nationalrat und Gewerbeverbandspräsident Jean-François Rime (FR). Die Frage dreht sich darum, wie viel Schweiz drin stecken muss, damit Schweiz draufstehen darf. Die Antwort von Economiesuisse: Bei Industrieprodukten müssten 50 Prozent der Herstellungskosten hierzulande anfallen – mit einer Ausnahme: Für die Uhren soll die Schwelle auf 60 Prozent angehoben werden.

60 Prozent für KMU wettbewerbsschädlich

Die Unterstützung von Gewerbeverbandspräsident Rime ist besonders brisant: Denn bis jetzt hat sein Verband im Namen seiner 300’000 KMU wie der Maschinenindustrieverband Swissmem immer für einen Wert von nur 50 Prozent gekämpft. Freuen über die Economiesuisse-Offensive kann sich Swatch-Group-Chef Nick Hayek. «Es ist immer positiv, wenn Leute sich bewegen», sagt er dem «Sonntag».

Verlierer sind kleinen und mittelgrossen Uhrenhersteller. «Für die KMU aller Branchen in der Schweiz sind 60 Prozent wettbewerbsschädlich», sagt Ronnie Bernheim, Chef von Mondaine und Vertreter der IG Swiss Made, die im Namen von rund 30 Uhrenfirmen für einen Wert von nur 50 Prozent der Herstellungskosten kämpft. «Jetzt opfert Economiesuisse einfach die KMU in der Uhrenbranche, um bei der FH zu punkten», sagt Bernheim und fügt an: «Das ist offensichtlich ein ordnungspolitischer Sündenfall.»

(jev)

Anzeige