2007 sicherte sich der Basler Pharmakonzern Novartis die millionenschweren Rechte an Ihrem Anti-Nikotin-Impfstoff. Folgt 2008 der zweite Lizenzdeal von Cytos?

Wolfgang Renner: Ob es schon 2008 zu einem weiteren Vertrag kommen wird, möchte ich nicht kommentieren – zuerst müssen bei allen Projekten noch weitere Studienergebnisse vorliegen.

Ihre zwei potenziellen Impfstoffe gegen Allergien und gegen Bluthochdruck gelten als nächste Kandidaten für einen Lizenzvertrag. Laufen bereits Verhandlungen?

Renner: Konkrete Verhandlungen laufen keine, aber erste Gespräche. Die weltweit zehn grössten Pharmakonzerne sind über unsere möglichen Lizenzkandidaten gut im Bild und haben teilweise auch schon ihr Interesse signalisiert.

Hätte sich mit dem zweiten Vertrag Ihr Geschäftsmodell durchgesetzt?

Renner: Für den Nikotinimpfstoff können wir von Novartis insgesamt 600 Mio Fr. sowie eine Beteiligung an den Verkäufen erhalten. Mit einer zweiten solchen Lizenz wäre die finanzielle Situation von Cytos daher bereits gesichert.

Und wie sieht es mit dem wissenschaftlichen Ruf aus?

Renner: Insgesamt haben wir bisher über 1000 Studienteilnehmer behandelt und keinerlei Sicherheitsprobleme verzeichnet. Zudem konnten wir für drei Produktkandidaten erste Wirksamkeiten nachweisen. Dies stimmt uns zuversichtlich, unsere Technologieplattform auch für Projekte von aussen zu öffnen.

Was heisst dies?

Renner: Wenn ein Pharmaunternehmen einen Impfstoff gegen eine bestimmte Krankheit wünscht, kann dieses uns den Auftrag erteilen, diesen zu entwickeln. Mit dieser Art von Kollaboration möchten wir in Zukunft zusätzlichen Wert generieren.

Wann könnte eine erste solche Auftragsarbeit vereinbart werden?

Renner: Hoffentlich 2008.

Ohne solche Einkünfte ist Ihr Unternehmen bis Mitte 2010 finanziert. Erwirtschaften Sie bis dann auch einen neutralen bis positiven Cashflow?

Renner: Das ist unser Ziel.

Ist es für die Strategie von Cytos zwingend, dass das Unternehmen unabhängig bleibt?

Renner: Grundsätzlich wollen wir unabhängig bleiben. Wir haben noch viele wertvolle Projekte in der Pipeline, deren Potenzial noch nicht genügend im Aktienkurs reflektiert ist. Andererseits zeigt die Geschichte, dass die meisten Biotechfirmen irgendwann von grossen Pharmakonzernen übernommen werden.

Bleiben wir bei der Pipeline. Mit Novartis arbeitet Cytos auch an einem Impfstoff gegen Alzheimer. Wie geht es vorwärts?

Renner: Eine Studie mit 60 Patienten geht bald zu Ende. Wir hoffen, bald über die weiteren Schritte berichten zu können.

Und wie steht es um Ihren Impfstoff gegen Schuppenflechten?

Renner: Es ist noch nicht klar, wie wirksam der Produktkandidat tatsächlich ist. Wir werden 2008 entscheiden, ob das Projekt weitergeführt oder gestoppt wird.

Gestoppt haben Sie 2007 einen ersten Impfstoffkandidaten namens CYT009-GhrQb gegen Fettleibigkeit. Wie geht es dem zweiten?

Renner: Auch er schnitt in den letzten präklininischen Experimenten nicht besonders gut ab. Wir entwickeln ihn nicht weiter. In naher Zukunft wird Fettleibigkeit kein Thema mehr für uns sein.

Immer mehr Menschen erkranken an Diabetes. Wann lanciert Cytos einen Impfstoff gegen diese Volkskrankheit?

Renner: Wir planen, 2008 einen neuen Produktkandidaten gegen entzündliche Erkrankungen wie Arthritis in die klinische Entwicklung zu bringen, der möglicherweise auch gegen Altersdiabetes wirksam sein könnte.

2007 verbrauchten Ihre Forscher monatlich 3,6 bis 4 Mio Fr. Wie viel werden es nächstes Jahr sein?

Renner: Unsere monatlichen Ausgaben werden im gleichen Rahmen wie dieses Jahr liegen.

Müssen Sie angesichts der vielen Forschungsprojekte mehr Mitarbeitende einstellen?

Renner: Nein, ein Ausbau ist nicht nötig. Momentan sind wir mit den 130 Mitarbeitern gut aufgestellt.