Mittels Fragebogen führt die Postmail bei bestehenden Beschäftigten einen Gesundheits-Check durch («Handelszeitung» vom 18. März). Diese Befragung wirbelt Staub auf. Fritz Schenk von der Gewerkschaft Kommunikation erklärt: «Wir können diese Art von Gesundheitsabklärung nicht unterstützen.» Zurzeit lasse man abklären, ob das Vorgehen der Post überhaupt rechtens sei.

Notlüge als Ausweg

Auch der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte ist bei der Post vorstellig geworden. Sprecherin Eliane Schmid will keine Details bekannt geben, stellt aber klar: «Fragen zur Gesundheit nur zum Zwecke der Prävention sind nur mit Einwilligung des Arbeitnehmers erlaubt.» Dieser müsse, ohne dass ihm daraus Nachteile erwachsen würden, die Auskunft auch verweigern können.

In der Praxis ist es aber heikel, wenn ein Mitarbeiter ausgerechnet beim Jahresgespräch bei gewissen Fragen passt. «Um nichts zu riskieren, hat er meistens kaum eine andere Wahl, als zu antworten», sagt Doris Bianchi vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB). Die Gewerkschaften empfehlen deshalb den Arbeitnehmern, in solchen Situationen zu lügen - so, wie sie das betroffenen Frauen auch bei der Frage nach einer Schwangerschaft nahelegen. Bianchi gibt zu bedenken, dass Informationen über den Gesundheitszustand die Persönlichkeitsrechte verletzen können.

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Alles in allem ist das Thema so delikat, dass sich die allermeisten Unternehmen nicht daran die Finger verbrennen wollen. «Wir hören zwar immer wieder von Einzelfällen, aber systematische Befragungen wie jetzt bei der Post sind uns neu», sagt Bianchi weiter. Tatsächlich ist das Vorgehen des gel-ben Riesen völlig unüblich. Dies bestätigen Recherchen der «Handelszeitung»: Weder ABB, noch Coop, CSS, Helsana, Migros, Novartis, SBB, Swisscom oder UBS führen bei bestehenden Mitarbeitern solche Gesundheitsbefragungen durch. Gesundheitliche Abklärungen sind in gewissen Firmen lediglich im Zusammenhang mit der Sicherheit und der Eignung für eine bestimmte Tätigkeit üblich. Das ist rechtlich zulässig. Die SBB etwa lassen die Lokführer regelmässig untersuchen, wobei die Daten beim Vertrauensarzt bleiben. Bei der UBS werden Gesundheitsabklärungen bei Mitarbeitern durchgeführt, die für die Bank Problemländer bereisen.

Post sieht sich in Pionierrolle

Gesundheitsbefragungen gibt es teils auch bei Neueinstellungen. So bietet Roche erfolgreiche Stellenbewerber zur medizinischen Untersuchung auf, doch es gibt keine systematischen Befragungen bestehender Mitarbeiter.

Obwohl die Post also mit ihrer Praxis einsam dasteht, will sie daran festhalten. «Die Idee ist die Früherkennung von gesundheitlichen Problemen und nicht die Diskriminierung von Mitarbeitern», verteidigt Sprecher Oliver Flüeler das Vorgehen. Er spricht von einer «Pionierrolle» der Post und glaubt, dass andere Firmen ihrem Beispiel folgen werden. Die Post erwägt gar, die bislang bei 15 000 Postmail-Angestellten durchgeführten Befragungen auf sämtliche 58000 Mitarbeiter auszuweiten. Eine jährliche Gesundheitsbefragung sei eines von vielen Kriterien, um ein europäisches Label für Gesundheitsförderung zu erhalten, argumentiert Flüeler. Er verweist auf eine Initiative der Stiftung Gesundheitsförderung, die dieses Label den Betrieben schmackhaft machen möchte.

Einer allfälligen Untersuchung des Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten sieht die Post gelassen entgegen. «Wir haben alle datenschützerischen Aspekte berücksichtigt», versichert Flüeler.