Rund 15000 Beschäftigte des Bereichs PostMail mussten seit diesem Jahr im Rahmen ihres Mitarbeitergesprächs Angaben über ihren Gesundheitszustand machen. Der direkte Vorgesetzte visierte dabei die gemachten Angaben - das stiess manchen Angestellten sauer auf.

Nach einem Bericht der «Handelszeitung» krebst der gelbe Riese nun zurück, mit dem Gesundheitscheck ist ab sofort Schluss: In einem internen Rundschreiben, das der «Handelszeitung» vorliegt, gesteht die Post ein: «Eine Überprüfung der Rechtmässigkeit des Prozesses hat gezeigt, dass PostMail die Gesundheitsabklärung anpassen muss. PostMail wird vorhandene Fragebogen in Personaldossiers vernichten (…)». Zusammen mit den Gewerkschaften und dem Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten überprüfe man nun die Situation. «Wie der Prozess der periodischen Gesundheitsabklärung in Zukunft ablaufen soll, wird in den nächsten Wochen und Monaten ausgearbeitet», heisst es im internen Schreiben.

Post-Sprecher Oliver Flüeler bestätigt die Anpassungen: «Wir gehen über die Bücher.» Grundsätzlich wolle das Unternehmen das Gesundheitsmanagement fortsetzen. Flüeler betont, das Durchschnittsalter der Post-Mitarbeitenden liege heute bei 44 Jahren und steige jährlich um fast ein Jahr an. «Wer jung beginnt, kann aus gesundheitlichen Gründen im Alter nicht unbedingt die gleiche Arbeit vertragen.»

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In der Schweiz unüblich

Stein des Anstosses beim Gesundheitscheck waren für viele Mitarbeiter die teilweise sehr persönlichen Fragen: «Fühlen Sie sich physisch und psychisch in der Lage, den Anforderungen Ihres Arbeitsplatzes gerecht zu werden?» Oder: «Was tun Sie derzeit für Ihre Gesundheit?» Ungewöhnlich war zudem, dass der Fragebogen für bestehende Mitarbeiter der Post bestimmt war. Nicht nur alle Neueintretenden mussten, wie vielerorts üblich, Fragen zu ihrem Gesundheitszustand beantworten, sondern auch langjährige Angestellte. Auf der Checkliste mussten die Mitarbeiter ihre Personalien inklusive Personalnummer angeben, zudem unterschrieben sie und ihr Vorgesetzter das Formular gemeinsam.

Von der «Handelszeitung» im März auf diese Praxis in einem Bundesbetrieb angesprochen, hiess es beim Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten damals: «Da es sich hier um sensible Gesundheitsinformationen handelt, muss man sich fragen, ob es nicht besser wäre, wenn ein Arzt und nicht der direkte Vorgesetzte diese Erhebung durchführen würde.»

In den vergangenen Wochen wurde das Vorgehen der Post unter die Lupe genommen - das Zurückkrebsen des Konzerns ist die Folge davon. Wie die Post im Mitarbeiterschreiben zugibt, waren auch «die Reaktionen bei Mitarbeitenden, in der Presse und bei den Gewerkschaften» ausschlaggebend für den Entscheid.

Post will Früherkennung

Beim Eidgenössischen Datenschützer heisst es zum weiteren Vorgehen: «Wir haben der Post unsere Bedenken bezüglich der Gesundheitsabklärungen bei Mitarbeitern vor kurzem schriftlich mitgeteilt», erklärt Francis Meier, wissenschaftlicher Mitarbeiter. Man habe unter anderem auf die datenschutzrechtlichen Anforderungen hingewiesen. «Im Sinne des bisher konstruktiven Dialogs mit der Post» wolle man zunächst deren Antwortschreiben abwarten.Bei der Post hatte man stets argumentiert, die Gesundheitsabklärung habe präventiven Charakter. Man führe sie durch, um gesundheitliche Probleme der Mitarbeiter im Zusammenhang mit ihrer Arbeit frühzeitig zu erkennen. Würde man das nicht tun, sagte die Post damals, riskiere man «weitaus komplexere Folgeschäden». Heute wie damals betont die Post, sie habe keinerlei ärztliche Details ihrer Angestellten erhoben und in den Personaldossiers der Betroffenen abgelegt. Damit unterscheidet sich dieser Fall deutlich von jenem in Deutschland, der in diesen Tagen publik wurde. Die Deutsche Post hat gemäss dem «Spiegel» über Jahre hinweg in grossen Briefniederlassungen elektronische Krankenakten von Mitarbeitern geführt. Danach wurden selbst intimste Krankheitsdetails auf den Post-Computern gespeichert. Neben genauen Beschreibungen von psychischen Erkrankungen finden sich Zustandsbeschreibungen von Mitarbeitern mit schweren Herzerkrankungen oder auch von Angestellten mit Darminfekten. Verbunden seien die Krankheitsdaten und -beschreibungen häufig mit klaren Handlungsempfehlungen, so das Magazin. Pikant: Die Affäre bei der Deutschen Post ist nicht die erste. Schon 2002 war das Unternehmen vom Bundesdatenschutzbeauftragen gerügt worden.

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