Die Konferenz der Kantonalen Ärztegesellschaften (KKA) will zu einer führenden Stimme der Gesundheitspolitik werden. Die 2006 gegründete Standesorganisation hatte ursprünglich den Zweck, als Verhandlungspartner für die kantonale Tarifpolitik aufzutreten. Nun hat die KKA die Publikation Gesundheitskompass lanciert (siehe Kasten). Überdies will das Gremium künftig vermehrt an «Gesetzgebungsprozessen» teilhaben.

Beim Spitalverband H+ zeigt man sich offen gegenüber der KKA. «Wir haben den ?Gesundheitskompass? mit Spannung zur Kenntnis genommen. Es ist sicher nützlich für das Gesundheitswesen, dass hier konkrete Vorschläge gemacht und nicht bloss Schlagworte genannt werden», meint Direktor Bernhard Wegmüller. Als politischer Verhandlungspartner für den Spitalverband fungiere allerdings weiterhin die Ärztevereinigung FMH. Ähnlich sieht es Franz Wyss, Zentralsekretär der Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK).

Beim Krankenkassenverband Santésuisse betrachtet man die Entwicklung dagegen mit Skepsis. Sauer stösst hier die Haltung der KKA gegenüber dem Vertragszwang auf. Die KKA befürwortet das von der GDK ausgearbeitete Modell einer kantonalen Bedarfssteuerung nach Ablauf des Ärztestopps. «Wenn die KKA in Richtung staatliche Planwirtschaft arbeitet, dann gehen die wirtschaftlichen Errungenschaften, die wir bei den Spitälern und der Leistungsfinanzierung erkämpft haben, wieder verloren», befürchtet Direktor Stefan Kaufmann.

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Ausland bemängelt Effizienz

Tatsächlich stellt der Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für die Schweiz grosse Effizienz- und Qualitätsverluste wegen des fragmentierten Gesundheitssystems fest. Insbesondere sind sich Gesundheitsökonomen darüber einig, dass die Schweiz zu viele Spitäler hat.

Ilona Kickbusch ? WHO-Direktorin des Bereiches Health Promotion, Education and Communication und ehemalige Professorin der US-Universität Yale ? schüttelt über die Profilierungswelle der Akteure im Schweizer Gesundheitswesen nur den Kopf. Ginge es nach ihr, müssten die Machtblöcke der Interessenvertreter aufgebrochen werden. «Mir scheint, dass viele der derzeit ablaufenden Debatten an den Bürgern, Versicherten und Patienten vorbei geführt werden», bemängelt sie gegenüber der «Handelszeitung» und spricht damit aus, was etliche Experten nur hinter vorgehaltener Hand sagen.

Die Kritik ist berechtigt: Tatsächlich bewegen sich Politik und Bürger in Gesundheitsfragen zunehmend auseinander. Während Interessenvertreter Kosten und Leistungen zum Hauptthema machen, ist das Stimmvolk durch- aus bereit, für ein funktionierendes Gesundheitssystem zu bezahlen.

Noch höhere Ausgaben erwartet

So sind radikale Sparvorlagen wie der Verfassungsartikel, die Einheitskasse oder die Gesundheitsinitiative an der Urne klar gescheitert. Experten halten darum statt einer Kostensenkung ein Wachstum der Gesundheitsausgaben von heute 11% auf längerfristig bis zu 20% des Schweizer Bruttoinlandprodukts für realistisch. Einem Mischsystem mit breitem Grundkatalog, Wahlmöglichkeiten und einer hohen Solidarität werden aufgrund der Abstimmungsergebnisse gute Chancen eingeräumt. «Die Leistungserbringer müssen aber bereit sein, von tradierten Versorgungsmodellen Abschied zu nehmen», glaubt Kickbusch und schlägt damit in die gleiche Kerbe wie Helsana-Chef Manfred Manser ? der fordert unter anderem, die Zahl der Spitäler in der Schweiz markant zu senken.

Neue Leistungsformen kommen

Neuen Leistungsformen ? allen voran Package-Deals ? dagegen wird eine wachsende Bedeutung zugeschrieben. Dies sind beispielsweise Netzwerke von Angeboten wie etwa die Kooperation mit bestimmten Ärzten, Apotheken, Informationsveranstaltern für Diabetiker und andere chronisch Kranke. Hier dürfte sich zunehmend eine Konkurrenz zwischen den Kassen für das beste Angebot für eine bestimmte Patientengruppe entwickeln.Aber auch die Rolle der Ärzte dürfte sich verändern. Anzeichen für einen fundamentalen Wan- del zeigen sich in Skandinavien und den USA, wo in sogenannten Mini-Clinics für kleinere Beschwerden bereits viele ärztliche Tätigkeiten von anderen Berufsgruppen angeboten werden; al-len voran von Pflegepersonal im Niedriglohnbereich. «Die Ärzteschaft muss sich künftig als Innovator positionieren», betont die Gesundheitsexpertin Kickbusch. Das heisse auch: Die Schweizer Ärzte müssten sich viel stärker für allgemeine Massnahmen zum Schutz der öffentlichen Gesundheit einsetzen ? etwa bei Themen wie Drogen, Alkohol oder Tabak.

Sich ebenfalls in der verkürzten Spardebatte zu verstricken, macht für Kickbusch dagegen keinen Sinn.

 

 


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Statt Zweittext braucht es eine Faktenbox...

Gesundheitskompass: Die neue mehrmals jährlich erscheinende Fachpublikation soll Kosten und Nutzen im Gesundheitswesen aufzeigen und mögliche Entwicklungen des Systems zur Diskussion stellen.

Vertragszwang: Die Konferenz der Kantonalen Ärztegesellschaften (KKA) fordert die Aufhebung des Zulassungsstopps für Ärzte und eine differenzierte Bedarfssteuerung von Leistungserbringern durch die Kantone unter Einbezug der Ärzteschaft.

Fallpauschalen: Die Einführung von Fallpauschalen führt zu einer Verlagerung von Behandlungen weg von Spitälern hin zu ambulanten Ärzten. Deshalb setzt sich die KKA ein für eine Begleitforschung durch die Swiss DRG AG. Diese ist für die Umsetzung des Systemwechsels zuständig.

Notfalldienste: Die KKA arbeitet angesichts der Überalterung von Hausärzten an Lösungsmodellen für die Sicherstellung der Notfall- und Grundversorgung. Zur Diskussion stellt sie etwa Callcenter, vorgelagerte Notfallpraxen in Spitälern oder die Einbindung von Permanencen in die reguläre Notfallversorgung.