Die Experten sind sich einig: Das neue Spitalfinanzierungsmodell SwissDRG (siehe Artikel rechts) wird den Druck auf die Spitäler erhöhen, wirtschaftlicher zu arbeiten. Denn neu soll ein Spital nicht mehr die effektiven Kosten für eine Behandlung in Rechnung stellen können, sondern dafür einen fixen Pauschalbetrag erhalten. Das hat Folgen für die Kantone, sie sind für das Spitalwesen verantwortlich. Philipp Waibel, Generalsekretär des Gesundheitsdepartements des Kantons Basel-Stadt, sagt: «Die Einführung der neuen Fallpreispauschalen SwissDRG wird einen transparenten Preisvergleich mit sich bringen. Damit rückt die wirtschaftliche Leistungserstellung eines Spitals verstärkt in den Vordergrund und gilt als Determinante für Erfolg oder eben Misserfolg.»

Ähnlich argumentiert Beat Planzer, Vorsteher der Sozial- und Umweltdirektion des Kantons Uri: «SwissDRG wird eine grössere Transparenz und Vergleichbarkeit in die Spitalfinanzierung bringen. Es wird ersichtlich werden, wie wirtschaftlich Spitäler arbeiten und wie viel Geld die öffentliche Hand allenfalls zusätzlich zur Erhaltung eines Spitals einschiessen muss.» Und auch Erhard Ramseier, Leiter des Spitalamtes des Kantons Bern, ist überzeugt: «Die Einführung von SwissDRG macht vorhandene Überkapazitäten besser sichtbar. Es ist deshalb davon auszugehen, dass die Zahl der Spitäler in der Schweiz weiter abnehmen wird.»

Kooperation oder Schliessung

Damit bleiben den Kantonen längerfristig drei Optionen: Ein Spital, das wirtschaftlich zu schmalbrüstig ist, wird wieder auf Vordermann gebracht, in Kooperation mit anderen Spitälern weitergeführt – oder geschlossen. Die These, dass es in der Schweiz aus versorgungstechnischen und betriebswirtschaftlichen Überlegungen eigentlich nur 50 Spitäler brauche (aktuell sind es 250), ist realpolitisch wohl kaum umsetzbar. Selbst das Ziel von 100 Spitälern, wie es beispielsweise Helsana-Chef Manfred Manser oder Fritz Britt, Direktor des Krankenversicherungsverbandes Santésuisse, vorschwebt, erscheint bereits ambitiös.

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Niemand sieht Gefahr

So äussert sich auch Waibel vom Gesundheitsdepartement Basel-Stadt nicht dazu, wie viele der aktuell zehn Spitäler im Kanton durch SwissDRG geschlossen werden. Er betont hingegen, dass «Gesundheitsversorgungsregionen» die Zukunft seien. Eine entsprechende Zusammenarbeit mit den Kantonen Baselland und Jura läuft bereits. Im Bereich der Spitzenmedizin kooperieren die Universitätsspitäler von Basel und Bern.
Erhard Ramseier vom Spitalamt Bern wiederum sagt: «Der Kanton Bern finanziert seine subventionierten Spitäler bereits heute durch ein DRG-System. Es ist deshalb fraglich, ob SwissDRG zu weiteren Spitalschliessungen führen wird.»
Auch der Kanton St. Gallen sieht seine Spitäler nicht gefährdet: «Die öffentlichen St. Galler Spitäler gelten als kostengünstig und verfügen deshalb auch mit Blick auf die Einführung von SwissDRG über gute Voraussetzungen», betont Peter Altherr, Leiter des Spitalamtes. Und Nicole Graf Strübi, welche die Geschäftsstelle des Verwaltungsrates der Spitalverbunde des Kantons St. Gallen leitet, sieht Chancen im neuen Modell: Es führe zu einer gerechten Entschädigungsgrundlage, einem Transparenzgewinn und der Möglichkeit, das Modell als Planungsinstrument zu benützen.
Der Kanton Uri hingegen betont einen anderen Grund, weshalb er sich gegen weitere Spitalschliessungen auf seinem Hoheitsgebiet wehrt: Er betreibt mit dem Kantonsspital Uri lediglich ein einziges Spital.