Vor sechs Monaten hat das Schweizer Volk die Initiative für eine Einheitskasse deutlich abgelehnt und sich damit für ein volkswirtschaftlich sinnvoll organisiertes Gesundheitssystem ausgesprochen.

Allerdings: Der Weg dahin ist noch weit, und die Kosten für die obligatorische Krankenpflegeversicherung sind seither weiter angestiegen. Jeden Tag wird das Gesundheitswesen um 3 Mio Fr. teurer. Jedes Jahr steigen die Kosten um 1 Mrd Fr. An dieser Tendenz ändert auch die Kostenstabilisierung des Jahres 2006, verursacht durch einmalige Sonderfaktoren, nichts.
Ob Spitalfinanzierung oder Pflegeversicherung: Mit Regulierungsvorschlägen – wer zahlt wie viel – versucht die Politik in der Revision des Krankenversicherungsgesetzes (KVG) gegenwärtig, diese Kosten in den Griff zu bekommen.

Probleme mit der Regulierung

Ihre Bemühungen dürften jedoch scheitern, denn sie kranken an einem Überlegungsfehler: Behörden und Verbände, Volks- und Interessenvertreter verteilen Geld aus einem Topf, den sie nicht füllen müssen. Trotzdem äussern sie Empörung, wenn im Herbst die Krankenversicherer die Prämien erhöhen, weil jährliche Mehrkosten von 1 Mrd Fr. zu decken sind. Insgesamt 20 Mrd Fr. waren es 2006 in der obligatorischen Grundversicherung.
Regulierungsmassnahmen drängen die Krankenversicherer zunehmend in die Rolle eines Umschlagplatzes für Prämiengelder. Das beschneidet ihren Spielraum für ein wirksames Kostenmanagement. Überspitzt formuliert läuft die Schweiz damit Gefahr, dass ihre Einwohner künftig nicht einer staatlich verordneten Einheitskasse angehören, sondern eine aus einigen Dutzend privatwirtschaftlich organisierten Einheitskassen wählen können, weil alle Krankenversicherer die gleichen Grundleistungen anbieten.
Statt hin zu einem wettbewerblich organisierten Gesundheitswesen weisen die anstehenden Regulierungsvorschläge, die letztlich Einzelinteressen sind, in eine ganz gegenteilige Richtung. Führende Experten warnen denn auch, eine Abschaffung des Wettbewerbs berge langfristig grosse Risiken: Die Rationierung der Pflege und eine sinkende Qualität im Gesundheitwesen könnten hier im schlimmstem Fall die Folgen sein.
Die obligatorische Krankenpflegeversicherung ist letztlich
ein staatlich verschriebenes Produkt. Es lässt dem Versicherten keine Wahl und macht ihm kaum Qualitätskriterien transparent. Es zeigt ihm auch nicht auf, was im Krankheitsfall möglich ist. Einzig beim Preis lässt sich der Verdacht der Planwirtschaft etwas relativieren.

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Mehr Auswahl für Versicherte

In einem wettbewerblich organisierten Gesundheitswesen müsste der Versicherte jedoch nicht eine KVG-Versicherung abschliessen, sondern er hätte die Wahl zwischen mehreren Varianten. Will er sich nur allgemein versichern, im Krankheitsfall nur einen Arzt aufsuchen (der ihn gegebenenfalls in ein Spital einweist) und zur Behandlung nur Generika verwenden? Oder will er sich einem Netzwerk anschliessen, dem 100 und mehr Ärzte und Spezialisten angehören?
Die Schweiz ist angehalten, ihre staatlichen Fesseln im Gesundheitswesen zu lösen und echten Wettbewerb zu ermöglichen. Zentral für diese Neugestaltung des Gesundheitswesens ist die Forderung nach einer Umkehr der Anreize.
Im Gegensatz zu heute soll es sich für die Versicherer lohnen, ein effektives und effizientes Kostenmanagement zu betreiben, das gleichzeitig eine wirksame Behandlung der Patienten nach den Kriterien von Wirtschaftlichkeit und Wirksamkeit sicherstellt.
Damit Wettbewerb im Gesundheitswesen volkswirtschaftlich sinnvolle Wirkung entfalten kann, müssen die heutigen Fehlanreize eliminiert werden: Qualität, Transparenz und Wirtschaftlichkeit statt Menge und Preis.
Künftig soll ein Arzt in Praxis oder Spital nicht am kranken Pati-enten verdienen, sondern am gesunden wie es die oft mit Versicherungen vetraglich Zusammengeschlossenen HMO-Netzwerke vorsehen , soll medizinische Leistung nicht mehr einzeln, sondern pauschal vergütet werden, sollen die staatlich verordneten Tarife und der Vertragszwang fallen.
Hält Wettbewerb verstärkt im Gesundheitswesen Einzug, so zeichnet sich das System dadurch aus, dass einserseits keiner seiner Akteure ein Interesse an steigenden Kosten hat, und anderseits die medizinische Versorgung des Landes nicht mehr Einzelkämpfern zugeführt wird.
Diese Anforderungen erfüllen Netzwerke. Sie umfassen die gesamte ambulante und stationäre Behandlungskette nach einem mit den Leistungserbringern vereinbarten Pauschaltarif. Sie schaffen gegenüber dem Kunden Transparenz und Vergleichbarkeit bezogen auf Leistung, Qualität und Preis. Netzwerke für die gesamte medizinische Behandlung ermöglichen dem Versicherten eine echte Auswahl und wirken erwiesenermassen Kosten dämpfend.

Umdenken ist dringend

Von heute auf morgen werden die Gesundheitsausgaben wieder um geschätzte 3 Mio Fr. zunehmen. Nur ein Umdenken, ein neues Rollenverständnis der Akteure, eine Umkehr der Anreize – nur mehr Wettbewerb stellt sicher, dass das Gesundheitswesen bezahlbar bleibt.

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Josef Barmettler, Generalsekretär CSS Versicherung, Luzern.