Die Schweizer Wirtschaft erbringt derzeit noch 70 bis 80 Prozent ihrer normalen Leistung. Unia-Präsidentin Vania Alleva (51) will die Wirtschaft ganz stilllegen – mit Ausnahme lebensnotwendiger Bereiche wie Gesundheit. 

Mit dieser Forderung im BLICK schockierte sie die Arbeitgeber im Land, die, wo immer möglich, mit der Einhaltung der Vorsichtsmassnahmen den Wirtschaftsmotor am Laufen erhalten wollen.

Unia-Chefin fordert «totalen Shutdown der Wirtschaft»

Das Notstandsregime werde nicht umgesetzt, bemängelt Unia-Chefin Vania Alleva und fordert in einem Interview: «Wir müssen jetzt herunterfahren.» Mehr dazu lesen Sie hier

Erstaunlich ist, dass bisher keine andere Gewerkschaft die Unia-Forderung national mitträgt. Stefan Studer (58) vertritt als Chef von Angestellte Schweiz 16 000 Arbeitnehmende aus der Industrie.

Er sagt zu BLICK: «Wir sind dezidiert gegen einen kompletten Lockdown, weil eine Wirtschaftskrise unabsehbare Folgen für die gesamte Bevölkerung hätte.» Dennoch müsse alles unternommen werden, um die Pandemie zu bremsen. Grundsätzlich sei es derzeit falsch, die Corona-Krise zur Profilierung einzelner Organisationen nutzen zu wollen.

Gewerbeverband: «Die Unia gefährdet die Sicherheit des Landes»

Die Forderung nach dem Shutdown ist sehr gefährlich, sagt Direktor Hans-Ulrich Bigler. Die Gewerkschaften hätten das Wort gebrochen, so Bigler im Interview mit der «HZ». Mehr dazu gibt es hier

Gewerkschaftsbund hält sich noch zurück

Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) findet die Absolutheit der Unia-Forderung gemäss mehreren Quellen nicht hilfreich. Offiziell will sich der SGB erst am Dienstag nach dem Sozialpartner-Treffen mit dem Wirtschaftsminister äussern.

Die Unia ist laut ihrem Sprecher Serge Gnos in Kontakt mit dem SGB: «Aber die Auswirkungen der Covid-19-Krise treffen nicht nur die Kantone, sondern auch die Verbände unterschiedlich stark und unterschiedlich schnell.»

Unia betreibt die mit Abstand grösste Arbeitslosenkasse im Land. In einem normalen Jahr erzielte sie mit der Verteilung von Geld an Arbeitslose und Kurzarbeitende knapp 50 Millionen Franken Verwaltungseinnahmen.

Das ist mehr als ein Viertel der Totalausgaben des Bundes an die über 30 Arbeitslosenkassen in der Schweiz. Neben den kantonalen Kassen sind auch sieben Private unter Vertrag.

Arbeitslosenkasse ist frei wählbar

Der Unia-Sprecher betont, die Forderung nach mehr Schutz für Arbeitnehmende stehe nicht in Bezug zur Unia-Arbeitslosenkasse. Falls die Fallzahlen anstiegen, entstünde kein Gewinn, weil mehr Personal angestellt werden müsste.

Auf ihrer Homepage schreibt Unia, dass die Bezüger frei seien, ihre Kasse selber zu wählen und: «Wir empfehlen Ihnen, die Unia Arbeitslosenkasse zu wählen … Sie ist die grösste Arbeitslosenkasse der Schweiz

Laut dem Direktor von Angestellte Schweiz ist es nicht der richtige Zeitpunkt, der Unia unlautere Motive zu unterstellen, wenn diese sich um die Gesundheit der Beschäftigten sorgt und zu einem besseren Gesundheitsschutz anmahnt. Dennoch wäre es richtig, das System der Ausrichtung von Arbeitslosen- und Kurzarbeitsgeldern zu überprüfen und zu überarbeiten.

Dieser Artikel erschien zuerst im «Blick» unter dem Titel: «Unia fordert Shutdown – und profitiert davon».